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ShatteredEmpire-Conbericht - Lieutenant Dr. Elena Sukov

Verfasst: Di 16. Feb 2016, 23:01
von RespawnLARPer
(Vorerst nur Teil1+2 -> Der Rest braucht noch etwas, oder kommt garnicht mehr
(gefundene Rechtschreibfehler und Grammatikfehler dürfen selbstverfreilich behalten werden ;) )


1. Shattered Empire LARP
Der Auftrag


1.Tag (13.04.2821)
Brücke des Valdore Navy Ships VNS Indefatigable:
Zum Erstenmal seit langer Zeit, kam sich Lieutenant Dr. Elena Sukov wieder wie ein richtiger Mensch vor. Der Stoff ihrer Uniform der Valdore Star Navy, fühlte sich angenehm und vertraut an.
Ein Stück ihres bereits verloren geglaubten Selbstvertrauens schien damit zurück zu kehren
und sie war wieder voll in ihrem Element.
Zum Dienst angetreten auf dem Valdore Navy Ship "VNS Indefatigable", nach über 1-1/2 Jahren Haft im valdorianischen Militärgefängnis, genoss es Elena die filtergereinigte Luft auf der alt gedienten Fregatte tief einzuatmen, begleitet von dem vertrauten Geruch dem Raumschiffe und Raumstationen stets anzuhaften schien. Eine Wohltat im Vergleich zu der stickigen, ranzigen Luft in dem unklimatisierten Zellentrakt, wo einem bei der unsäglichen Hitze der grobe Stoff der Gefängniskleidung am ganzen Körper unangenehm klebte.
5 Jahre sollte sie dort ihre Strafe absitzen, weil sie in stark alkoholisiertem Zustand einem Patienten irrtümlich das falsche Medikament in einer tödlichen Dosierung verabreicht hatte...
Erschwerend kam hinzu, dass es sich bei dem Patienten wohl um irgendeine wichtige Persönlichkeit gehandelt haben soll, wesshalb man auch erst in Richtung Mordanschlag ermittelte.
Elena war schockiert, dass man ihr etwas Derartiges überhaupt zutrauen würde. Sie hatte direkt nach einer ausgelassenen und sehr feuchtfröhlichen Beförderungsparty ihres Kollegen den Dienst angetreten, obwohl sie eigentlich garnicht eingeteilt war. Manchmal machte man seltsame Dinge, wenn man zu tief in`s Glas gesehen hatte...
Sie war dem Irrglauben unterlegen ihren Alkoholkonsum unter Kontrolle zu haben. Aber der Abend war einfach zu gesellig gewesen...
Die bisherige Zeit im Militärgefängnis war für sie die Hölle und so kam ihr das Angebot, bei einem riskanten Einsatz der VNS Indefatigable, die medizinische Abteilung zu übernehmen, mehr als recht.
Das Angebot wäre auch ohne das Versprechen den "unschönen Vorfall" aus ihrer Personalakte verschwinden zu lassen, verlockend gewesen.
Kein Risiko der Welt konnte sie davon abhalten aus diesem Höllenloch raus zu kommen. Allein der Gedanke noch über drei Jahre dort verbringen zu müssen, war der blanke Horror. Aber nun stand sie hier! Auf der Brücke der VNS Indefatigable und konnte sich vor lauter Aufregung kaum darauf konzentrieren, was der Captain ihnen zur bevorstehenden Mission sagte.
Im Grunde war es Elena auch egal. Hauptsache sie konnte als Ärztin wieder praktizieren. Von dem taktischen Gerede hatte sie keinen blassen Schimmer. Ihr Aufgabenbereich lag in der Krankenstation und die würde sie nach bestem Wissen und Gewissen führen!
Sie war etwas erschrocken darüber, dass es in der medizinischen Datenbank keinerlei Eintragungen über die Crew gab. Offenbar hatte das Bodenpersonal geschlampt und versäumt die medizinische Datenbank zu synchronieren, als sie die Kryokammern der Crew an Bord der Indefatigable brachten. Nicht die einzige Schlamperei, wie sich heraus gestellt hatte. Leider war qualifiziertes Personal rar geworden. Ein paar der Kryokammern waren nicht fachgerecht angeschlossen worden, was zu einem Kurzschluss geführt hatte. Eine lebensbedrohliche Situation, wenn es nicht rechtzeitig erkannt wird. Und es wurde in diesen Fällen leider nicht erkannt...
Elena musste zusehen, dass sie an die medizinischen Daten der Crew kam, noch bevor es zu brenzligen Situationen kommen konnte. Sie musste wissen, ob jemand gegebenenfalls gegen bestimmte Medikamente allergisch war oder andere Komplikationen zu erwarten waren. Aus diesem Grunde hatte sie Fragebögen für die Crew vorbereitet.
Der Captain schien über diesen Misstand ebenso überrascht, als sie nach dessen Ansprache auf die fehlenden Daten hin wies. Es fehlten nicht nur die Daten der unausgebildeten freiwilligen Rekruten, die sich im Moment noch in Kryostasis befanden, sondern auch die der Rumpfcrew. Umgehend erteilte Captain William Bligh Petty Officer Seline Jenkins die Order, dafür Sorge zu tragen, dass jeder einen solchen Fragebogen erhielt und ausgefüllt in der Krankenstation abzuliefern hatte.

Krankenstation:

Nachdem das geklärt war kehrte Elena zur Krankenstation zurück, wo sie umgehend alles vorbereitete, um die Rekruten kontrolliert aus der Kryostasis erwachen zu lassen. Normalerweise galt die Kryostasis als sehr sicher, sofern beim Einfriervorgang alles gewissenhaft vorbereitet worden war und es zu keiner längeren Unterbrechungen der Kühlung kam. Eine Schwachstelle ist der Verladevorgang, wenn die Kryokammern vorübergehend vom Netz getrennt werden. Dennoch konnte eine korrekt versiegelte Kryokammer, bis zu maximal einer Woche, seinen Passagier ohne Probleme versorgen, doch dann geht es in die kritische Phase über. Bei einigen Kammern der Marines hatte es Probleme gegeben, doch die Kammern der freiwilligen Rekruten schienen alle einwandfrei funktioniert zu haben. Dennoch sollte Elena zur Sicherheit jeden kurz durchchecken, denn wenn es zu Fehlern in der Einfrierphase gekommen war, konnten Teile vom Gewebe absterben. Sollten in so einem Fall lebenswichtige Organe betroffen sein, heisst es schnell zu handeln. Ein vorläufiger medizinischer Check, welcher Durchblutungsstörungen oder Organversagen sofort aufzeigen würde, war schnell gemacht. Elena hätte nach dem Vorfall mit den Kryokammern der Marines gerne eine gewissenhaftere Untersuchung durchgeführt, doch der XO forderte die Untersuchung kurz zu halten, da die Zeit drängte. "Auf ihre Verantwortung" hatte Elena mürrisch gesagt, denn es passte ihr nicht, wenn jemand mit gerade mal ein paar erste Hilfe-Kenntnissen ihr vorschrieb, wie sie ihren Job zu machen hatte...
Der XO Lieutenant Commander David Hunter und der etwas undurchsichtigen Mann vom Geheimdienst Lieutenant Senior Grade Eric Knight, begleiteten jeden Auftauprozess. Während Elena die Vitalwerte checkte, warfen Hunter und Knight einen kurzen Blick auf den Lebenslauf der Rekruten, der nur zu häufig Grund für ein Stirnrunzeln bot.
Der Auftauprozess verlief bei allen Rekruten erfreulicherweise ohne Zwischenfälle. Einige sehr seltsame Gestalten waren schon dabei, doch Elena wagte es nicht dies zu kommentieren. Es waren schwere Zeiten und gutes Personal kaum zu bekommen. Damit wurden die Rekrutierer wohl auch immer dreister. Dem Mann vom Geheimdienst schienen ähnliche Gedanken durch den Kopf zu gehen, da er eine entsprechende Bemerkung dem XO gegenüber fallen liess, als die ersten Rekruten, kaum zurück im Leben, sogleich zum umziehen in die Mannschaftsquartiere geschickt wurden, mit der Order sich anschliessend im Hangar zu versammeln. Vom Farmerjungen mit einem vorlauten Mundwerk, über irgendwelche Schlägertypen bis hin zu einem Rechtsanwalt in finanziellen Schwierigkeiten, war so ziemlich alles vertreten. Selbst ein Rentner, seines Zeichens Master Chief Petty Officer, mit 121 Jahren wurde wieder in den Dienst gestellt! Anscheinend waren auch zwei Kryokammer-Kennungen vertauscht worden, denn ein Rekrut fehlte, dafür war ein anderer freiwilliger Namens J.S.Harper an Bord, der wohl auf dem Schwesterschiff hätte eingesetzt werden sollen, das derzeit neben der Indefatigable Position bezogen hat. Bei dem letzten Rekruten verschlug es dem XO fast den Atem und er brauchte einen Moment, um seine Fassungslosigkeit abzuschütteln. [[Anders gesagt: Ein Outtime-Lachkrampf kurz vor der Hyperventilation bei der Spielleitung ;o) ]] Auslöser für die Schnappatmung seitens des XO waren wohl der dichte Bart, die ungewöhnliche Kleidung und die, für ein Militärschiff absolut unüblichen, bis nahezu zur Hüfte reichenden Haare des Rekruten, der seiner Aussage nach nichts davon wusste sich freiwillig für den Militärdienst gemeldet zu haben... Generell faselte er ständig etwas von Frieden. Elena war geneigt ihm zu glauben, doch sowohl der XO, als auch Eric Knight hielten einen Irrtum für ausgeschlossen. Wahrscheinlich war der Mann betrunken, als er den Vertrag unterschrieben hatte.

Hangar:
Nachdem genug Leute aus der Kryostasis geholt worden waren, um einen geordneten Betrieb an Bord sicher zu stellen, versammelten sich die Rekruten im Hangar, um ihren Aufgaben und Abteilungsleitern zugeteilt zu werden. Es waren längst nicht alle Rekruten aus der Kryostasis geholt worden, um das etwas altersschwache Lebenserhaltungssystem der VNS Indefatigable nicht unnötig an seine Grenzen zu bringen. Sie blieben als Reserve in den Stasiskammern und würden, je nach Notwendigkeit, zur Unterstützung für den eigentlichen Einsatz hinzu gezogen werden. Es ging darum die Nachschubwege des Feindes zu sabotieren.
Elenas Abteilung wurden zwei Leute zugeteilt. Hawk Marshall und Genuzamanatony Genhenky; der Mann, der abstritt sich dem Militärdienst verschrieben zu haben. Elena verdrehte die Augen bei seinem ganzen Friedensgequatsche. Er schien generell mehr der Esotheriker zu sein. Das konnte ja heiter werden... Nunja, auf Raumschiffen gab es oft genug Hypochonder, die einem nur die Zeit stahlen. Vielleicht konnte Genhenky sich ja doch noch als nützlich erweisen, wenn er sich um solche Leute kümmerte, während Elena sich auf die echten Fälle konzentrierte. Marshall hatte zumindest Erste Hilfe Kenntnisse, aber leider auch eine ziemlich grosse Klappe und liess keine Gelegenheit aus anzügliche Bemerkungen zu machen. Elena konnte das auf den Tod nicht ausstehen. Sie hatte gehofft, nachdem sie aus dem Gefängnis raus war, endlich wieder unter Menschen zu sein, die sich kultiviert benehmen konnten... Und dann teilt man ausgerechnet Marshall ihrer Abteilung zu..


Krankenstation:
Allmählich wusste Elena nicht mehr, wo ihr der Kopf stand. Ein Fragebogen nach dem Anderen kehrte ausgefüllt zurück und sie erkannte, dass sie um diverse Einzelgespräche mit einigen Crewmitgliedern nicht herum kommen würde. Gleichzeitig versuchte sie Marshall und Genhenky zumindest in den Basics einzuweisen. Genhenky äusserte ständig seine Bedenken der modernen Medizin gegenüber, während Marshall, im Umgang mit den medizinischen Scannern eine schnelle Auffassungsgabe bewies. Der Captain machte allmählich Druck, wie sie mit den Fragebögen vorran käme und dass sie zusehen solle ihre zugeteilten Rekruten auch schnellstmöglich einzuweisen, da ihnen nicht mehr viel Zeit bis zum ersten Einsatz blieb. Der Captain redete sich wirklich leicht... Nun gut; während Marshall sich mit der Bedienung der medizinischen Scanner vertraut machte, erklärte Elena Genhenky, wie mit dem Injektor umzugehen war. Sollte er ihr doch gleich mal bei den anstehenden Impfungen behilflich sein, denn zu viele der Rekruten hatten schon lange ihre jährliche Kombiimpfung vernachlässigt. Das konnte auf einem Raumschiff gefährlich werden. Vor allem, wenn sich derzeit so viele Menschen unterschiedlicher Herkunft an Bord befanden, die zum Teil noch nie in ihrem Leben einen Arzt gesehen haben, geschweigedenn einen Impfinjektor... Der Feind würde sich schlapp lachen, wenn die Mission scheiterte, weil man die Gefährlichkeit von mikroskopisch kleinen Lebewesen unterschätzt hatte, die zum Teil binnen weniger Stunden eine ganze Mannschaft ausser Gefecht setzen konnte. Genhenky war in seinem ganzen Leben noch nie geimpft worden und äusserte auch hier wieder seine Bedenken. Aber Elena liess ihm das nicht durch gehen und so wurde auch er geimpft.
Bei den medizinischen Einzelgesprächen stellte sich heraus, dass zwei der Marines auf ein bestimmtes Medikament angewiesen waren, da sie ansonsten unkontrolliert aggressiv werden würden. Frank Rust und Robin Falk waren bei einem früheren Einsatz irgeneiner unbekannten Alien-Pflanze zu Nahe gekommen. Seither mussten sie dieses Medikament nehmen, das sich in einer unterschiedlich konzentrierten Tages- und Nachtdosis aufteilte. Keiner von Beiden kannte die Inhaltsstoffe des Medikamentes. Elena konnte auch keine genaueren Angaben anfordern, da die Indefatigable bereits mitten in feindlichem Gebiet war und absolute Funkstille gehalten wurde. Also mussten sie entweder darauf hoffen, dass das Medikament im Einsatzzeitraum ausreichen würde, oder sie mussten selbst heraus finden, worum es sich handelte. Hier konnte Marshall sich gleich mal mit seinen gewonnenen Kenntnissen im Umgang mit den medizinischen Scannern und Analysemethoden beweisen. Viel konnte er jedoch nicht heraus finden, da der entscheidende Inhaltsstoff nicht ermittelt werden konnte. Nur gut, dass es im Moment keinen Notstand gab, was das ominöse Medikament betraf. Dennoch hätte Elena gerne gewusst, womit sie es zu tun hatte. In der Zwischenzeit schickte sie Genhenky los, um die restlichen Fragebögen einzusammeln, denn es fehlten immernoch einige. Marshall hingegen war los gezogen, um noch eine Probe des Medikamentes von Robin Falk zu holen, da bislang nur die Pillen von Frank Rust untersucht worden war. Wahrscheinlich aber suchte er nur nach einem Vorwand das nächste weibliche Wesen an Bord mit seinem "Charme" zu beehren. Elena nutzte die eingekehrte Ruhe auf der Krankenstation, um etwas Ordnung in das Chaos zu schaffen, doch blieb ihr nicht lange Gelegenheit dazu. Captain William Bligh beehrte sie erneut mit einem persönlichen Besuch, um sich nach den Fortschritten zu erkundigen und ob Probleme zu erwarten seien. Damit bezog er sich auf die unbekannte Krankheit der beiden Marines. Diesbezüglich konnte sie den Captain vorerst beruhigen, da die Marines noch einen erheblichen Vorrat der ihnen verordneten Medikamente bei sich hatten und diese wahrscheinlich bis zur Beendigung der Mission ausreichen würden. Dennoch betonte Elena, dass sie gerne für alle Eventualitäten gewapnet ist und weiter nach den Inhaltsstoffen des Medikaments forschen wird. Dem Captain schien das ausreichend zu sein und wandte sich bereits zum gehen ab, als Elena die Gelegenheit wahr nahm, um den Fragebogen des Captains in einem Einzelgespräch genauer durchzugehen. Schliesslich war sie auch für seine Gesundheit hier an Bord verantwortlich. Ein Punkt war ihr sofort in`s Auge gestochen. Gelbsucht oder Lebererkrankung war mit "ja" angekreuzt worden. Auf ihre Frage, worum es sich handelte, antwortete er ausweichend, dass es da vor etwa einem Jahr kleinere Unregelmässigkeiten gab. Kleinere Unregelmässigkeiten... ja die hatte es bei Elena auch gegeben. Sie räusperte sich und schüttelte den Gedanken ab, während sie ihm noch ein paar Fragen bezüglich der Regelmässigkeit seiner medizinischen Checks und Impfungen stellte. Nur weil ihre eigenen schlechten Leberwerte auf ihren Alkoholkonsum zurück zu führen waren, musste das beim Captain noch lange nicht der selbe Grund sein. Auch wenn sie sich eingestehen musste, dass der Gedanke einer solchen Gemeinsamkeit mit dem Captain, ihn in ihren Augen, durchaus sympathisch erscheinen liess. 'Elena! Was für einen Blödsinn denkst Du da eigentlich? Lebererkrankung; Gemeinsamkeit.... Reiss dich zusammen! Von dem Mann hängt Dein weiterer Karriereweg ab und der führt geradewegs wieder zurück in`s Militärgefängnis, wenn du auch noch auf die Idee kommst ihn zu fragen, ob er in seiner Kabine zufällig eine Minibar hätte und er sie vielleicht zu einem Tropfen einladen würde... Entweder warst du zu lang im Gefängnis, oder die billigen Anmachsprüche von Marshall haben Dir die Birne aufgeweicht!' massregelte sie sich selbst.
Das Gespräch mit dem Captain dauerte nicht sehr lange. Sie ging nur auf die wichtigsten Punkte ein und machte sich hier und dort eine Notiz. Schliesslich konnte sie den Captain vor so einem wichtigen Einsatz nicht zu lange von der Arbeit abhalten. Nachdem alle vorläufigen Fragen geklärt waren, verliess er die Krankenstation und Elena träumte vor sich hin, als sie die Unterlagen sortierte und sich danach in Richtung Kombüse aufmachte, um ihrem knurrenden Magen endlich nachzugeben. 'Commander William Bligh... Ob er wohl verwandt ist mit Herzog Bligh? Das wäre in jedem Fall ein Gewinn für ihren angeschlagenen Lebenslauf.'

Auf dem Weg zur Kombüse und zurück:
Überall auf dem Schiff begegnete man ihr mit einem höflichen Nicken, oder einem respektvollen Gruss. Die lange Zeit, in der sie im Gefängnis wie Abschaum behandelt und rumgeschubst worden war, kam ihr bereits völlig unwirklich vor. Sie fühlte sich wohl, ungeachtet der todesmutigen Tatsache, dass sie sich mitten in feindlichem Gebiet befanden, auf einem Schiff, das seine besten Tage lange hinter sich gelassen hatte. Die Leute hatten sogar einen Spitznamen für Elena. "Bones" nach irgendeiner alten Fernsehserie mit einer Pathologin der Gerichtsmedizin oder sowas. Das hatte sie erst erschreckt, weil sie den Spitznamen für eine Anspielung an ihren verhängnisvollen "Kunstfehler" hielt. Aber ihr wurde klar, dass hier niemand von ihrer Verurteilung wusste. Abgesehen vom Captain natürlich, der ihre Akte mit Sicherheit kannte. Wahrscheinlich auch der XO und mit Sicherheit der Geheimdienstler. Diese Leute hatten sowieso immer ihre Nasen in der Vergangenheit anderer Leute. Je dunkler diese ist, umso interessanter... Aber Elena wäre nicht hier, wenn die Führungsoffiziere sie nicht hätten hier haben wollen. Sie war dankbar für diese Chance und würde das in sie gesetzte Vertrauen nicht enttäuschen.

In der Kombüse fand sie dann auch schnell etwas, das ihren Magen für eine Weile ruhig stellen sollte. Geschmacklich erinnerte sie das Essen hier in etwa an den Gefängnisfrass... Nur ohne Ungeziefer. Das störte sie im Moment aber nicht weiter. Sie hatte nicht vor sich von den Erinnerungen überrollen zu lassen. Gut gelaunt und frisch gestärkt verließ sie die Kombüse wieder und stiess nach ein paar Schritten beinahe mit dem Captain zusammen, der sie bereits auf der Krankenstation gesucht hatte. Es war zwar ihr gutes Recht auch mal eine kleine Pause zu machen, aber es machte sich nie gut, wenn man ausgerechnet in dem Moment vom Vorgesetzten, oder gar vom Captain (!) gesucht wird... Andererseits war es fast schon auffällig, wie oft der Captain sie aufsuchte. Ob da wohl mehr dahinter steckte? Ein scherzhafter Gedanke zum Thema Bettkante und nicht runter stossen, schoss ihr durch den Kopf, den sie erschrocken über sich selbst sofort unterband. Sie sollte sich Gedanken dieser Art endlich aus dem Kopf schlagen. Wer bildete sie sich eigentlich ein zu sein? Bligh kannte ihre Akte, da war sie sich sicher. Das einzige Interesse, das er an ihr haben würde, wäre sicher zu gehen, dass sie nicht Rückfällig wurde. Und davon will er sich offenbar selbst ein Bild machen. Das, und NUR DAS, war wohl der Grund für seine häufigen, persönlichen Besuche. Wahrscheinlich ging es ihm sogar gegen den Strich, dass man ihm eine verbrauchte Säuferin als Ärztin auf dieser Mission zugeteilt hatte... 'Na Prima... Du hast ja eine tolle Meinung von dir selbst. Wo hast du nur dein Selbstvertrauen gelassen? Beim einchecken im Militärgefängnis wohl an der Pforte abgegeben und beim wieder auschecken dort vergessen... reiss dich zusammen und mach deinen Job!'

Sowie ihre Gedanken halbwegs wieder in geordneten Bahnen verliefen, sickerte auch die Anweisung des Captains bei ihr durch und diese löste Unbehagen bei ihr aus. "Sir, ich möchte anmerken, dass Mr. Genhenky zu Protokoll gab, nie dafür unterschrieben zu haben freiwilligen Militärdienst zu leisten. Es ist nicht auszuschliessen, dass seine Anwesenheit hier Aufgrund eines Irrtums zustande kam. Ehrlich gesagt bin ich geneigt ihm das zu glauben, wenn sie mir den Einwand erlauben." entgegnete Elena vorsichtig, wovon sich der Captain nicht im geringsten beeindrucken liess. "Dr. Sukov; wir sind hier auf einem Militärschiff und keinem Kreuzfahrtunternehmen, wo jeder rum laufen kann, wie er will! Wenn er ein Problem mit einem anständigen Haarschnitt hat, dann schicken sie ihn zu mir, ich werd sie ihm schon zurecht föhnen!" konterte der Captain in ruhigem, aber bestimmten Tonfall, der keinen Widerspruch dultete und Elena nur ein kleinlautes "Ja Sir... ich rede mit ihm..." ermöglichte. Sie blickte dem Captain noch kurz nach, ehe sie sich mit einem flauen Gefühl in Richtung Krankenstation begab, wo ihr auch sogleich Genhenky begegnete.


Krankenstation:

Elena wusste nicht viel über seinen Heimatplaneten - wie war der Name? Asgard? -, oder den Gepflogenheiten dort. Aber sie konnte sich gut vorstellen, dass die langen Haare irgendeine traditionelle oder gar religiöse Bedeutung haben könnten. Sie hielt Genhenky zwar für einen einfältigen Spinner und war nicht sehr begeistert davon ihn in ihrer Abteilung zu haben, dennoch war ihr ein gutes Betriebsklima wichtig und er hatte schon den Schock zu verdauen auf einem Kriegsschiff zu sein, wo ihm doch Frieden so sehr am Herzen lag. Sie versuchte es ihm möglichst schonend zu sagen, dass er sich von seinen langen Haaren, auf Befehl des Captains, trennen müsse. Wie erwartet reagierte Genhenky entsprechend aufgebracht. Elena wusste sich nicht zu helfen. Mit Problemen dieser Art musste sie sich noch nie auseinander setzen. Sie war auch nie zuvor Abteilungsleiterin. Vielleicht war es ja möglich doch noch eine Ausnahmeregelung zu finden. Genhenky beschloss persönlich mit dem Captain zu reden und Elena hielt das für eine gute Idee. Doch kaum war Genhenky weg, hätte sie sich am liebsten selbst geohrfeigt... Als Abteilungsleiterin wäre es ihre Aufgabe mit dem Captain zu reden, oder zumindest gemeinsam mit Genhenky beim Captain vorstellig zu werden. Das gab mit Sicherheit einen fetten Minuspunkt auf ihrer Bewertungsscala... Nun war es zu spät... Zur Ablenkung von ihrem Fehler vergrub sie sich bis spät in die Nacht in die Auswertung der Fragebögen. Begleitet von ihrem guten alten Bekannten, den sie eigentlich nur zur Sicherheit auf der Krankenstation versteckt hatte und nicht mehr anrühren wollte. Aber nach diesem Fauxpas, brauchte sie etwas zur Beruhigung ihrer Nerven.

Irgendwann schlief sie erschöpft und nicht mehr ganz nüchtern, über ihren Unterlagen ein, doch es war kein ruhiger Schlaf. Erinnerungen aus ihrer Zeit im Militärgefängnis quälten sie. Dort gab es einen Wachleiter, der früher wohl bei den Marines war. Weiss der Henker was er angestellt hatte, dass er jetzt seine Brötchen als Gefängniswärter verdienen musste. Es war ihm anzumerken, dass er über seine Position nicht sonderlich Glücklich war und seinen Frust liess er gerne an den Gefangenen aus. Besonders gefürchtet waren seine Disziplinierungsmassnahmen. Gleichgültig ob der betroffene Häftling etwas ausgefressen hatte oder nicht. Es konnte jeden treffen. Meist mitten in der Nacht. Am Schlimmsten war es aber, wenn man nur hörte was mit einem Mithäftling gerade passierte, denn die Fantasie konnte einem fast noch schlimmere Streiche spielen und die Szenarien unnötig ausschmücken... Und genau das passierte gerade in Elenas Traum. Erschrocken und von kaltem Schweiss bedeckt, schreckte sie hoch, doch das seltsame Schlurfen war noch immer zu hören. Ihr lief es kalt den Rücken hinunter, ehe sie sich selbst zur Ruhe ermahnte und orientierte. Sie war nicht mehr im Gefängnis. Sie war auf einem Raumschiff. In ihrer Krankenstation. Draussen auf dem Gang wird wahrscheinlich irgendein armer Tropf zum Wischen des Flurs verdonnert worden sein. Sauberkeit war auf einem Raumschiff absolut wichtig, wenngleich keine beliebte Arbeit. Elena atmete ein paarmal tief durch, um sich wieder zu beruhigen und beschloss sich auf eine der freien Krankenliegen zu legen, was rückenschonender war, als imr Bürostuhl zu schlafen. Es musste sowieso jemand in Bereitschaft auf der Krankenstation bleiben, also konnte sie genauso gut hier schlafen. Immernoch besser, als die Akten als Kopfkissen zu verwenden. Die Geräusche auf dem Gang ignorierte sie nach Möglichkeit. Diese hielten aber ohnehin nicht mehr lange an.

Sie war noch garnicht richtig eingeschlafen, da öffnete sich die Tür der Krankenstation und einer der Marines steckte seinen Kopf herein. Chief Petty Officer Rashid Ben Ahmed Al Hazzred stand in der Tür und blickte mindestens ebenso überrascht drein, wie Elena. "Oh, Entschuldigung Doktor. Ich dachte es wäre niemand hier." sagte er. "Ich habe Bereitschaftsdienst." murmelte Elena, die sich fragte, was der Marine wohl auf der Krankenstation wollte, wenn er davon aus ging, dass niemand hier sei. Irgendwelche Drogen vielleicht abgreifen? Die waren sicher verschlossen. "Bei mir wurde es etwas länger und ich wollte niemanden im Quartier wecken. Desshalb dachte ich mir, ich lege mich hier auf eine der Liegen. Entschuldigen sie die Störung." erklärte Rashid und wollte sich schon wieder zum gehen abwenden, aber Elena hielt ihn auf. "Nachdem sie mich ja schon geweckt haben, können sie sich auch nützlich machen und sich hier auch schlafen legen. Wenn aber ein Notfall rein kommt, werden sie mir schnellstmöglich Marshall und Genhenky aus den Federn schmeissen. Mir fällt nämlich ein, dass ich keine Ahnung habe in welchen Quartieren sie untergebracht sind und werde dann keine Zeit haben alle Möglichkeiten abzuklappern, falls ich Unterstützung brauche." wies Elena ihn an. Rashid schien damit einverstanden und machte es sich auf einer der Liegen gemütlich. Wenig später bereute Elena es ihm gestattet zu haben auf der Krankenstation zu nächtigen, denn ein gleichmässiges Schnarchen sabotierte nun ihren Schlaf...

Re: Conbericht - Lieutenant Dr. Elena Sukov

Verfasst: Di 16. Feb 2016, 23:02
von RespawnLARPer
Teil 2 / Vervollständigung aus Zeitgründen und verblassender Erinnerung eher unwahrscheinlich

Tag2

Elena war wie gerädert. Die ganze Nacht über kaum geschlafen und einen ganz übler Kater vermieste ihr den Morgen. Rashid gab sich noch immer Mühe sämtliche Waldplaneten zu roden. Wenn er so weiter machte, würde der Feind sie bald auf dem Radar haben, überlegte Elena mit einem Anflug von Sarkasmus. Draussen auf den Schiffsgängen war es noch ruhig. Elena gehörte offenbar zu den Frühaufstehern. Das hatte sie sich im Gefängnis wohl oder übel angewöhnen müssen. Langschläfer bekamen ihre müden Knochen sehr unsanft wach geprügelt...
Im Grunde noch immer Müde, aber nicht fähig noch etwas Schlaf zu finden, schälte sie sich mit verquollenen Augen aus ihrem Bett. Ihr erster Weg führte zum Medikamentenschrank, den sie aufschloss und nach ein paar Tabletten griff, die sie Erfahrungsgemäß recht schnell ihren Kater vergessen lassen würden. Mit einem Seitenblick vergewisserte sie sich, daß Rashid noch fest schlief, ehe sie die Tabletten mit einem Schluck bereits kalten Tee`s aus ihrer Thermoskanne runter spülte. Dann verschloss sie den Schrank wieder und beschloss sich erst mal in der Schiffskombüse frischen, heissen Tee aufzubrühen. Sie machte sich garnicht erst die Mühe ihre Haare zu ordnen und schlurfte in ihrem weissen Pyjama unmotiviert durch die Gänge.

Schiffskombüse:
An der Schiffskombüse angekommen stellte sie überrascht fest, daß sie wohl doch nicht die einzige Frühaufsteherin war. Es herrschte eine ausgelassene Stimmung und Elena wurde mit einem ihr unnötig laut erscheinenden "Guten Morgen Bones!" empfangen.
"Morgen" murmelte sie und tappte zielstrebig auf den Wasserkocher zu. "Alles in Ordnung?" hörte sie jemanden besorgt fragen, denn sie bot offenbar einen furchtbaren Anblick. "hmm? Ja, alles in Ordnung" brummelte Elena müde. "Es wurde gestern nur eine lange Nacht. Die Auswertung der Fragebögen... und der Holzfäller auf meiner Station..." erzählte sie und goss frisches Wasser in den Wasserkocher, ehe sie sich wieder mit einem gespielt munteren Lächeln an die Anwesenden wandte. "Nichts, was ein anständiges Frühstück nicht wieder in Ordnung bringen könnte!"
Einer der Marines fand ebenfalls den Weg in die Küche und blieb wie angewurzelt stehen, als er Elena erblickte. "Wow! Doc... Sie sehen heute aber... gut aus..." entfuhr es ihm und erntete von ihr einen finsteren Blick. Seufzend brühte sie sich ihren Tee auf und schlurfte durch die Gänge zurück in die Krankenstation. Sie musste noch Rashid vom Behandlungstisch scheuchen, auf dem er es sich in der Nacht gemütlich gemacht hatte und danach in der Nasszelle für eine Rundumerneuerung ihres Erscheinungsbildes sorgen. Doch Rashid musste sie gar nicht mehr wecken, denn er hatte bereits die Krankenstation verlassen.

Krankenstation:
Eine halbe Stunde später saß Elena schon wieder über den Patientendaten. Die frische Uniform und gebändigten Haare konnten dennoch nicht über ihre Augenringe hinweg täuschen. Selbst das eiskalte Wasser konnte ihre Müdigkeit nicht aus den Gliedern verscheuchen. Doch als Genhenky die Krankenstation betrat, war Elena plötzlich hellwach. Seine langen Haare trug er unter einer OP-Haube und ein großes Pflaster zierte seine Stirn. Im ersten Moment hatte Elena ihn fast nicht erkannt. "Was ist passiert? Warum das Pflaster?!" wollte sie von ihm wissen. Ohne zunächst auf die OP-Haube einzugehen. Sie vermutete, dass er mit dem Captain so überein gekommen war, im Dienst seine langen Haare unter der OP-Haube zu verbergen. Was auf einer Krankenstation auch durchaus Sinn machte. "Nichts weiter" wich Genhenky ihr aus und wollte wissen, ob sie schon eine Aufgabe für ihn hätte. Doch Elena gab sich damit nicht zufrieden und wollte nun genau wissen, woher er die Verletzung hatte. Schlussendlich erzählte ihr Genhenky, in erstaunlich gleichmütigem Tonfall, von drei vermummten Gestalten, die ihm einen Gegenstand über den Kopf gezogen hatten. Als er wieder zu sich kam, waren seine Haare in die OP-Haube eingeklebt.
Elena traute ihren Ohren kaum. "Bitte was?!" entfuhr es ihr. "Und da bleiben sie so ruhig?!" Genhenkny zuckte mit den Schultern. Was sollte es bringen sich aufzuregen? Innerlich vor Wut kochend suchte Elena ihre Instrumente zusammen, um Genhenky`s Kopfverletzung eingehend zu untersuchen und auch die angeklebte OP-Haube näher in Augenschein zu nehmen. Genhenky gab an einen leichten Juckreiz zu verspüren, weshalb Elena von einer Hautreizung durch den Klebstoff oder sogar von einer allergischen Reaktion ausgehen musste. Für Elena kam für diese Art von "Scherz" nur ein Menschenschlag in Betracht. Aufgrund ihrer schlechten Erfahrungen im Militärgefängnis mit dem ehemaligen Marine, hatte sie auch jetzt sofort die Marines in Verdacht. Wütend ließ sie Rust und Falk auf die Krankenstation beordern. Im Grunde war es egal, welche Marines sie für den Vorfall verantwortlich wähnte, denn die steckten ohnehin alle unter einer Decke...
Die Beiden erschienen auch sehr bald und wirkten in ihren Einsatzklamotten reichlich einschüchternd, aber davon ließ sich Elena nicht beirren. Sie hatte eine unglaubliche Wut im Bauch und konfrontierte die beiden Marines sofort mit der Situation. R. Falk schien sich mit Mühe ein Grinsen zu verkneifen, was Elena wiederum noch wütender machte und R.Falk anwies sich ihr dämliches Grinsen aus dem Gesicht zu wischen! [[was wiederrum zu einem OT-Lachkrampf bei Angela führte *g* Kann gar nicht verstehen wieso *grübel* ;o)]] Elena wollte alles über den verwendeten Kleber wissen und wie er möglichst hautschonend wieder abzulösen ist. Doch die Marines konnten oder wollten ihr nicht sagen, worum es sich bei dem verwendeten Klebstoff handelte. Also machte Elena wegen der allergischen Reaktion Druck. Immerhin konnte der Mann jederzeit umkippen. Man konnte ja nie wissen... Zwischenzeitlich war auch Rashid wieder in der Krankenstation aufgetaucht und hielt sich im Hintergrund, bis Elena die beiden Marines los geschickt hatte alles über diesen Kleber heraus zu finden. Wie sie das anstellten war ihr egal.
"Marines...!" knurrte Elena abfällig, woraufhin sich Rashid räusperte und Elena darauf aufmerksam machte, dass er auch ein Marine sei. Elena bedachte ihn mit einem Blick, der ihn in jedem Superheldencomic sofort zu Asche zerfallen lassen hätte. "Es ist mir durchaus bewusst, dass Sie auch ein Marine sind! Noch dazu einer, der auffällig lange wach war und erst sehr spät sich hier schlafen gelegt hat... Es war auch die Rede von DREI vermummten Personen! Wollen Sie sich also nicht auch an der Suche nach dem Kleber beteiligen?! Möglichst, BEVOR mir der Mann hier umkippt!!!" raunzte sie den Mann an. "Ja, Mam" kam von ihm überaus trocken zurück und er bedachte Bones mit einem Blick, der nichts Gutes verhiess, ehe er ebenfalls die Krankenstation verliess.
"Es ist doch nur ein leichtes Jucken..." merkte Genhenky unsicher an, als sie wieder alleine auf der Krankenstation waren. "Man kann nie wissen" gab Elena zurück und drehte sich dann mit einem breiten Grinsen zu Genhenky. "Ausserdem arbeiten Marines unter Druck am Besten. Die kriegen schon raus mit welchem Lösungsmittel wir die Haube wieder ablösen können. In der Zwischenzeit gebe ich Ihnen vorbeugend ein Antihistaminikum. Genhenky sträubte sich wie üblich gegen die moderne Medizin, aber Elena ließ ihm das auch diesmal nicht durchgehen.
Wenig später kam Priscilla Dorn, die Cheftechnikerin in die Krankenstation gestürmt. Ihr hatte man wohl erzählt, dass Jemand wegen des Kontaktes mit einem Klebstoff im sterben lag und unbedingt ein Lösungsmittel gefunden werden musste. Elena erklärte ihr die Situation beruhigend und Priscilla Dorn überlegte, dass dafür eigentlich nur ein fugenfüllender Sekundenkleber in Frage käme. Ihr wäre allerdings kein hautschonendes Lösungsmittel bekannt, wird aber gleich mit der Forschung daran beginnen. Im hinaus gehen fluchte sie noch "Wenn die mir den ganzen fugenfüllenden Sekundenkleber aufgebraucht haben!!! Na wartet... wenn ich raus kriege wer das war, dann ist aber was los!!!"
Zwischenzeitlich fand Marshall mal wieder Zeit nebst seiner Brautschau auch wieder in der Krankenstation anzutreten. Er wies Elena darauf hin, dass Petty Officer Jenkins teilnahmslos wirke und über Kopfschmerzen klage. Aber sie wollte sich nicht überreden lassen sich auf der Krankenstation zu melden. Tabletten wollte sie ebenfalls nicht annehmen. Elena seufzte. War sie hier denn Kindermädchen? Wahrscheinlich interessierte Jenkins sich schlichtweg nicht für das Geschwätz von Marshall und gab vor Kopfschmerzen zu haben, weil sie mit den Gedanken abgeglitten war. Sollte sie wirklich Kopfschmerzen haben, wird sie früher oder später schon auf der Krankenstation erscheinen. Zwingen konnte Elena sie auch nicht.
Während Priscilla Dorn nach einem hautschonenden Lösungsmittel für den fugenfüllenden Sekundenkleber forschte, befand Elena Genhenky vorerst für diensttauglich. Er solle sich jedoch umgehend auf der Krankenstation melden, wenn ihm Schwindelig werden würde, oder der Juckreiz sich verschlimmert. Da der Geheimdienstler zu diesem Zeitpunkt in der Tür der Krankenstation stand, nutzte er gleich die Gelegenheit, um Genhenky als Ersthelfer zu einer Einsatzübung mit den Marines abzubeordern. Marshall kam nicht in Frage, da er als Pilot zur Verfügung stehen musste. Weder Elena noch Marshall waren besonders glücklich darüber Genhenky in die Höhle des Löwen zu schicken, doch diesem schien es nicht viel auszumachen und ergab sich mit gewohnter Gleichmut der neuen Aufgabe.
Man konnte die Übung der Marines bis zur Krankenstation hören und Elena machte sich zunehmends Sorgen um Genhenky. Aber im Moment konnte sie nichts für ihn tun. Sie bat Marshal für eine Weile die Station zu übernehmen und gönnte sich selbst mal eine Ruhepause. Viel war gerade nicht los auf der Krankenstation und Marshal wusste ja, wo er sie erreichen würde, wenn ein Arzt gebraucht würde.
Als Elena etwa 2h später etwas erholter zurück kehrte, erschien auch schon Priscilla Dorn auf der Krankenstation. Wie versprochen hatte sie an einem hautschonenden Lösungsmittel gearbeitet. Erfolgreich, wie sie sagte. Die erste Version allerdings war leicht ätzend. Sie hatte das Lösungsmittel selbst auf ihrem Handrücken ausgetestet. Elena versorgte die leichte Verätzung und bedankte sich bei Priscilla für ihre Mithilfe.
Passenderweise tauchte gerade Genhenky in der Krankenstation auf. Die Marines hatten wohl eine Pause eingelegt, oder waren mit Waffen putzen beschäftigt… Dies nutzte Elena gleich, um das Lösungsmittel anzuwenden und die Haube vorsichtig von Genhenkys Kopf zu lösen. Es ging tatsächlich hervorragend und es schien keine Verätzungen zu geben. Elena wies Genhenky an die Reste des Lösemittels zu verdünnen und sich damit die Haare zu waschen, um auch den letzten Rest Klebstoff zu entfernen. Sollte er aber merken, dass Hautrötungen auftreten, oder ihn Übelkeit überkommt, hätte er sich sofort in der Krankenstation einzufinden. Es ging jedoch alles gut und Genhenky konnte den Klebstoff restlos entfernen. Danach flocht er sich die Haare zu einem engen Zopf und ließ diesen in seiner Uniform verschwinden. Problem „lange Haare“ gelöst.
Elena schmunzelte und widmete sich wieder dem Stapel Krankenblättern, als wenig später Dr. Blomberg in der Krankenstation auftauchte. Kein Kollege der Medizin, wie sie zunächst gehofft hatte, in Anbetracht der unterbesetzten Krankenstation, sondern seines Zeichens Rechtsanwalt. Er war auf einen Plausch vorbei gekommen, da man ihm keine rechte Aufgabe auf dem Schiff zugeteilt hatte und er nicht viel mit sich anzufangen wusste. Elena war neugierig, wieso es einen Rechtsanwalt auf ein Kriegsschiff verschlug. Es war wohl so, dass er hoch verschuldet war und ihn auch seine Frau verlassen hatte. Der Sold für diesen Einsatz erschien ihm angemessen und würde es ihm ermöglichen einen Teil seiner Schulden zu begleichen. Und da er gerade beim Thema Geld war, interessierte er sich überaus Intensiv für den Wert der medizinischen Geräte auf der Krankenstation. Elena wurde skeptisch. Dies war ein Schiff der Valdore Star Navy! Alles in und an dem Schiff war Eigentum der Navy und entsprechend ließ sie das Blomberg gegenüber auch durch klingen… Genhenky lauschte dem Gespräch interessiert, während Blomberg erklärte, daß es nur eine hypothetische Frage war. Weiter kamen sie bei ihrem Plausch nicht, denn plötzlich brach Hektik aus. Eine verletzte Person wurde auf die Krankenstation gebracht. Lieutenant Grigorjewa war angeschossen worden. Ein Steckschuss in der Schulter! Wie hatte das denn passieren können? Keine Zeit für Fragen! Das Projektil musste schnell entfernt werden und die Wunde versorgt. Elena versuchte das Zittern ihrer Finger zu ignorieren und hoffte, dass es sonst niemandem auffiel, während sie die Wunde versorgte. Die Patientin war ansprechbar und faselte etwas von Dev Tomone und so etwas wie; ihre eigene Waffe… Lieutenant Senior Grade Eric Knight platzte mitten in die OP und wollte wissen, ob die Patientin reden kann. Elena wurde wütend und raunzte den Geheimdienstler an, dass es gerade etwas ungünstig sei! Aber die Patientin nannte den Namen Dev Tomone. Ehe Elena weiter sprechen konnte, murmelte Grigorjewa wieder Tomones Namen und dass er mit ihrer eigenen Waffe auf sie geschossen hätte. „Ist das die Waffe?“ wollte Knight wissen und hielt eine kleine Handfeuerwaffe in einem Asservatenbeutel hoch. Die Patientin bestätigte dies.
„Dr. Sukov; überprüfen sie umgehend die Waffe auf Fingerabdrücke und vergleichen sie diese mit den Fingerabdrücken von Tomone!“ befahl der Geheimdienstler und erntete einen finsteren Blick von Elena. „Sehe ich vielleicht aus, als wäre ich von der Spurensicherung?! Ich habe keine Ahnung, wie ich Fingerabdrücke von der Waffe nehmen soll…“ knurrte sie, während Knight mit den Augen rollte. „Das ist doch ganz einfach, sie nehmen Sekundenkleber…“ weiter kam er nicht, denn Elena raunzte bereits dazwischen. „Ich habe hier gerade besseres zu tun als Detektiv zu spielen! Eine Blutung zu stoppen zum Beispiel!!! Weisen Sie Genhenky ein. Ich habe zu tun!“
Genhenky schob sich dann auch gleich deeskalierend zwischen Knight und Elena und lenkte somit die Aufmerksamkeit des Geheimdienstlers auf sich, indem er ihm den Asservatenbeutel ab nahm und sich von ihm einweisen ließ, während Elena sich voll und ganz auf die Schussverletzung konzentrierte und ihre Patientin.
Eine knappe Stunde später war die Patientin stabilisiert und Genhenky hatte die Ergebnisse des Fingerabdruckvergleiches bereits weitergeleitet. Offenbar hatte dieser Farmerjunge Dev Tomone auf Lieutenant Grigorjewa geschossen. Man wollte von Elena wissen, ob die Patientin stabil genug sei, um bei der bereits stattfindenden Verhandlung ihre Zeugenaussage zu machen. Das ging ja schnell... Elena knirschte mit den Zähnen und willigte schliesslich ein, wenn man für eine bequeme Sitzmöglichkeit der Patientin sorgen würde. Ausserdem müsste sie ständig in der Nähe der Patientin bleiben.
Wenig später fand sie sich mit Grigorjewa im Hangar ein, wo die Verhandlung statt fand. Den Anfang der Verhandlung hatten sie bereits verpasst. Alles was Elena mit bekam war, dass der Fingerabdruck des Mittelfingers von Tomone am Abzug der Waffe von Grigorjewa sicher gestellt werden konnte. Und wie sie laut der Aussage von Tomone mit bekam, hatte wohl Grigorjewa mit der geladenen Waffe auf ihn gezielt, weil er sich nicht dem militärischen Protokoll entsprechend zu benehmen wusste? Wo war sie HIER denn gelandet?! Der Junge kam direkt von einer Farm auf ein Kriegsschiff! Da konnte man doch nicht gleich so hohe Erwartungen stellen! Grigorjewa schien völlig ungerührt. Elena konnte sich eine gewisse Verachtung dieser Person gegenüber nicht erwehren. Sie konnte sich an Tomone als einen sympatischen und wissbegierigen jungen Mann erinnern, der vor ein paar Stunden auf ihrer Krankenstation noch geimpft worden war. Die ganze Verhandlung war der reinste Horror. Alles; wirklich alles wurde gegen Tomone verwendet. Niemand schien sich zu fragen, warum eine Offizierin mit einer geladenen Waffe auf einen Farmerjungen anlegte. Dann hiess es Tomone hätte auf der Krankenstation herum gestöbert. Das war Elena neu und sie blickte fragend zu Genhenky, der dies aber nicht zu bemerken schien. Sogar von unzüchtigem Verhalten war die Rede. Wobei Elena nun nicht mehr Begriff, ob da nun etwas zwischen Tomone und Grigorjewa gelaufen war, oder dem ebenfalls im Zeugenstand befindlichen Hawk und der Patientin. Auf IHRER Krankenstation?! Himmel nochmal! Was war in den zwei Stunden, in denen sie nicht auf Station war alles passiert??? Und man hatte es noch nicht mal für nötig gehalten sie zu informieren!
Während Elena noch versuchte ihre Gedanken zu sortieren und zu begreifen, was da abgelaufen war, da ihr der Beginn der Verhandlung völlig fehlte, fiel auch schon das Urteil. Tod durch erschiessen... Und das noch an Ort und Stelle?! Elena war geschockt. Sie war zwar selbst Lieutenant der Valdore Star Navy. Aber sie hatte diese Laufbahn nur eingeschlagen, weil es ihr die Möglichkeit gab Medizin zu studieren, was sie sich privat finanziert niemals hätte leisten können. Ausser auf dem Schiessstand hatte sie ihre Waffe noch nie benutzt. Und nun sollte sie als Ärztin bei einer Hinrichtung anwesend sein? Ihr drehte sich förmlich der Magen um. Auch Hawk sah sehr blass aus.
Es wurde nach Freiwilligen gefragt, wobei explizit die unerfahrenen "Neuen" angesprochen waren. Der Captain wollte anscheinend von vorne herrein klar stellen, wie der Hase zu laufen hat. Als Lieutenant der Valdore Star Navy hatte sie seine Entscheidung nicht in Frage zu stellen. Die "Freiwilligen" waren schnell bestimmt. Dev Tomone war überaus tapfer. Elena hätte sich an seiner Stelle vermutlich in die Hose gemacht... Aber er stand da, mit einer Spur von Troz in den Augen, während Grigorjewa völlig ungerührt auf ihrem bequemen Stuhl sass und das Schauspiel zu geniessen schien. Priscilla Dorn machte sich noch sorgen um die Aussenhülle des Schiffes und sorgte dafür, dass Tomone so plaziert wurde, dass ein Fehlschuss nicht für einen Hüllenbruch sorgen würde.
Elena blickte in`s Leere, als der Befehl zum anlegen der Waffen erfolgte. Sie sog scharf die Luft ein. Und auch Hawk ging es wohl ähnlich wie ihr. Sie hörte ihn ebenfalls schwer atmen. Der Schiessbefehl erfolgte und... das "freiwillige" Erschiessungskommando verriss die Waffen. Keiner traf! es erfolgte ein weiterer Befehl und wieder verrissen alle die Waffen, wobei nun Rashid getroffen wurde, der seitlich vom Erschiessungskommando stand. Elena wurde sofort zu ihm gerufen und noch während sie zu Rashid eilte, um die Wunde zu versorgen, sah sie noch aus dem Augenwinkel, wie der Geheimdienstler Eric Knight seine Handfeuerwaffe zog und Tomone mit den Worten "Nun habe ich aber von den Faxen genug!" in den Kopf schoss. Elena konzentrierte sich auf ihre Arbeit und brachte Rashid mit Hilfe von Hawk auf die Krankenstation. Andernfalls hätte ihr das Erlebte wohl noch an Ort und Stelle den Boden unter den Füssen weg gezogen.
Rashid hatte glücklicherweise nur einen Streifschuss abbekommen. Die Wunde war schnell versorgt. Marshal klagte über Kopfschmerzen. Elena wollte ihm gerade eine Tablette geben, als sie eilig zum Captain gerufen wurde. Dieser erwartete sie auf dem Flur vor der Krankenstation und nahm sie in einem vier-Augen-Gespräch zur Seite. Er erteilte die Order das Blut von Tomone auf eventuelle genetische Anlagen, die PSI-Kräfte begünstigen können, zu untersuchen. Ausserdem sollten Hawk und Genhenky ebenfalls unstersucht werden. Dann liess der Captain sie einfach stehen und verschwand im angrenzenden Flur Richtung Brücke. Elena fühlte sich nicht wohl bei dem Auftrag. Aber wenn sie wollte, dass ihre Eintragungen aus der Personalakte verschwanden, durfte sie den Captain nicht verärgern und pflichtbewusst seinen Anordungen Folge leisten. Also kehrte sie auf die Krankenstation zurück und nahm zu erst von Marshal Blut ab und liess einen aufwändigen Hirnlappenscan durch laufen. Angeblich um auszuschliessen, dass die Kopfschmerzen einen ernsteren Hintergrund haben könnten. Danach versuchte sie etwas ähnliches bei Genhenky, aber dieser hatte sie anscheinend sofort durchschaut. "Ich habe keine PSI-Fähigkeiten" kommentierte er ihren Hirnlappenscan. Elena kam in`s stottern, dass sie nur seine Kopfverletzung genauer in Augenschein nehmen würde. Doch Genhenky nahm ihr das nicht ab. Hawks Hirnlappenscan wies auf eine erhöhte Aktivität im vorderen Hirnlappen hin, was aber noch nicht ausreichte, um PSI-Fähigkeiten nachzuweisen. Genaueres würde das Ergebnis der PCR liefern, wenn die drei Blutproben durch waren. Das würde aber noch etwa eine Stunde Zeit in Anspruch nehmen. Der Captain sass ihr allerdings jetzt schon im Nacken und anscheinend zählte auch Elena zum Kreis der Verdächtigen, denn Lieutenant Baresi stellte ihr eigenartige Fragen. Zum Beispiel, ob sie es war, die bei der Hinrichtung so scharf eingeatmet hätte. Natürlich hatte sie das! Das gab sie Baresi gegenüber auch zu. Schliesslich war sie Ärztin geworden, um Leben zu retten und nicht zuzusehen, wie Leben ausgelöscht wurde. Noch dazu so sinnlos... Wobei sie sich Letzteres verkniffen hatte laut auszusprechen...