Minet Tabrun - Mord im Kloster (Gajendra II) - Larp Bericht

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RespawnLARPer
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Minet Tabrun - Mord im Kloster (Gajendra II) - Larp Bericht

Beitragvon RespawnLARPer » Di 16. Feb 2016, 22:59

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NSC-Spielbericht von Stefanie Winkler
(gespielte Charaktaere: Gajendra Saii aka Sharmira / TwiLek-Jedischülerin Nuraja Daleen)







blendend grelles Licht;
brennender Schmerz;
das Geräusch von splitterndem Holz;
Schmerz;
ein erstickter Schrei...
schweissgebadet schreckte Gajendra hoch. Sie hatte wieder diesen Traum... Nein... das war kein
Traum. Eine Erinnerung, die nicht verblassen wollte...
Lange Zeit blickte sie reglos in die Dunkelheit, bis sich ihr Atem wieder beruhigt hatte. Sie hoffte
wieder einzuschlafen, doch es wollte ihr nicht so recht gelingen...
Also richtete sie sich auf und ging hinüber zum Tisch um einen Schluck
Wasser zu trinken. Auf dem Weg blieb Ihr Blick im Spiegel an der Wand
hängen.
Sie konnte nur hoffen, dass die Alpträume eines Tages verschwinden
würden. Doch Ihr entstelltes Gesicht würde für immer bleiben. Sie wusste
zwar, daß es Planeten gab, für deren medizinischen Kenntisse die
Wiederherstellung Ihres Gesichtes kein Problem darstellen würde. Doch
sie hatte weder die Mittel, oder gar Möglichkeit dazu, zu einem solchen
Planeten zu reisen, noch war sie sich sicher, ob sie das wirklich wollte.
Ihre Schwester hatte mit dem Leben für etwas bezahlt, an dem sie
garnicht beteiligt, und nur zur falschen Zeit am falschen Ort war...
Wohingegen sie selbst sozusagen mit einem “blauen Auge”
genauergenommen einem erblindetem Auge und Brandwunden
davongekommen war.
Gajendra merkte garnicht, daß Ihre Zimmerkolegin; eine TwiLek-Jedi-Schülerin; sie seit geraumer
Zeit beobachtete. Erst als Gajendra sich von Ihrem Spiegelbild löste und sich ihre Blicke trafen,
sprach sie sie an.
“Schonwieder ein Alptraum?” fragte Nuraja besorgt.
Gajendra nickte nur knapp und zog sich ihren Umhang über.
“Ja... ich denke ich werde ein wenig frische Luft schnappen und dann versuchen wieder
einzuschlafen...”
Bevor Gajendra sich zur Tür umdrehen konnte, stand Nuraja ebenfalls auf und sah sie ernst an.
“Du solltest mit dem Medicus darüber sprechen. Das hängt bestimmt mit Deiner Kopfverletzung
zusammen. Kannst Du Dich denn an etwas aus dem Traum erinnern?”
“Nein” log Gajendra, und verließ die Gemeinschaftszelle.
Zurück blieb eine nachdenkliche TwiLek.
***
Gajendra lauschte der Stille im Kloster und ließ ihre Gedanken schweifen, während sie der Glut des
Lagerfeuers am erlöschen zusah.
Die Jedis hatten sich zur Nachtruhe gebettet. Nur der stumme Torwächter und sie waren noch auf
den Beinen.
Ein Geräusch vom Tor her, schreckte sie aus den Gedanken. Jemand schien Einlass zu erbitten.
Um diese Uhrzeit?
Der Torwächter öffnete den späten Gästen und liess sie im Hof für einen
Moment warten. Wahrscheinlich ging er nun die Jedimeister wecken.
Gajendra blieb an der Feuerstelle im dunklen stehen und musterte die
Neuankömmlinge von der Ferne. Wenn sie es richtig erkannte waren sie
bewaffnet!
Sie konnte nicht erkennen, ob es sich evtl. gar um Kelowner oder
Romulaner handelte. Sie hoffte keiner von beiden Parteien..., denn das
wuerde bedeuten, dass Commodore Mayeng bescheid wusste, dass sie den
Anschlag überlebt und ihr Versteck ausfindig gemacht hatte.
Als der Wächter zurückkehrte um die Gäste zu den Jedimeistern zu
geleiten, folgte Gajendra der Gruppe mit angemessenem Abstand bis zum
grossen Hauptgebäude, wo die Gäste empfangen und darum gebeten
wurden die Waffen abzulegen.
Gajendra traute ihren Augen nicht, als sie erkannte, WER die Gäste waren.
Von allen Möglichkeiten, hatte sie diese am wenigsten erwartet... Es war ein Aussenteam der
NDCE HIGHLANDER! Captain Mayfield, der damals das Komando hatte, als sie zusammen mit
drei Kollegen auf der HIGHLANDER die Attentate verübte, erkannte sie als Erstes wieder. Dann
war da noch das Katzenwesen, das sie damals entlarvt hatte. Auch Dr. Manson, der ihr die
Bewusstseinslöschung angedroht hatte, war unter ihnen. Gajendra hatte ein ungutes Gefühl. Wegen
ihr konnten sie kaum hier sein, da sie offiziell für Tot erklärt worden war, um weitere Anschläge auf
ihr Leben, seitens der Kelowner oder Romulaner entgegenzuwirken und mit neuer Identität
unterzutauchen. Sei es wie es ist. Die Crew der HIGHLANDER durfte sie keinesfalls
wiedererkennen, da ihre Tarnung sonst auffliegen würde. Zudem brachte sie das Kloster in Gefahr,
wenn bekannt würde, daß sie hier Zuflucht gefunden hatte.... Es war so schon Riskant genug.
Sie sollte schnellstmöglich herausfinden, wie lange das Aussenteam der
HIGHLANDER im Kloster verbleiben würde, damit sie sich etwas
einfallen lassen konnte, wie sie ihnen am Besten aus dem Weg ginge...
Im Moment waren sie gerade oben im Versammlungsraum bei der Tee-
Zeremonie. Das würde noch eine ganze Weile dauern. Also beschloß sie
ein paar der Jedischüler zu befragen, welche den Tee vorbereiteten, ob
diese schon etwas vernommen hätten, was die späten Gäste in`s Kloster
führte, und für wie lange sie hier gedachten zu verweilen. Doch niemand
konnte ihr so recht Auskunft geben...
Gajendra überlegte kurz und ging dann in ein Nebengebäude, dessen
offenes Fenster im ersten Stock einen guten Einblick in den
Versammlungsraum bot. Oben angekommen stellte sie enttäuscht fest,
daß die Zeremonie bereits begonnen hatte. Gesprächsfetzen würde sie
somit wohl kaum aufschnappen können, da alle den Worten des
Jedimeisters Koh Ma`dar lauschten. Gajendra konnte erkennen, daß das
Aussenteam, wie es im Kloster üblich war, ihre Waffen abgegeben hatten.
Sie selbst trug immer eine zierliche Handfeuerwaffe im Oberschenkelholster bei sich, welches unter
der weiten Hose und Umhang vor zufälligen Blicken gut verborgen und gleichzeitig durch die
hohen Seitenschlitze Ihres Beinkleides schnell zu ziehen war. Nur für alle Fälle...
Die Jedis brauchten davon ja nichts zu wissen.
Eine weitere, treffsicherere Waffe, mit größerer Reichweite, hatte sie meist entladen unter ihrem
Kopfkissen liegen. Diese nahm sie nur bei Ausflügen in die Wüste mit sich.
Zudem trug sie einen Kampffächer bei sich. Gelegentlich fing sie wieder mit dem Training der
traditionellen Kampfformen an, sofern ihr nicht wieder ein Schwächeanfall dazwischen kam. Völlig
erholt hatte sie sich von dem Anschlag noch nicht. Bis vor drei Wochen lag sie Aufgrund einer
schweren Kopfverletzung, sowie Verbrennungen im Gesicht, im künstlichen Koma und sollte sich
aufgrunddessen ohnehin noch schonen.
Sie hatte Glück gehabt, daß der baufällige Balkon, auf dem sie zum Zeitpunkt des Anschlages
gestanden hatte, im richtigen Moment nachgegeben hatte und somit aus dem vermeindlich tödlichen
Treffer lediglich ein Streifschuß wurde, welcher ihre rechte Gesichtshälfte verbrannte und das
rechte Augenlicht kostete. Der Schütze hatte soetwas wie einen Flammenwerfer benutzt, wenn sie
das in der knappen Zeit richtig erkannt hatte... Was in Gajendra den Verdacht erweckte, daß es
möglicherweise auch garnicht in der Absicht lag sie zu töten. In jedem Fall wollte man ihr wohl
keinen allzu schnellen Tod gönnen...
Als sie endlich wieder aufgewacht war, riet man ihr an, im Kloster Minet Tabrun für eine Weile
unterzutauchen, bis sie sich vollständig erholt hat und Ihre neue Identität eingerichtet ist. Bis dahin
würde sie im Kloster unter dem Namen Sharmira bekannt sein.
Einen Zunamen benötigte es nicht. In Vorash war es nicht ungewöhnlich, daß eine Frau nur bei
ihrem Vornamen genannt wird, wenn es keine Familienangehörigen mehr gab. Nach dem Angriff
der Romulaner und Kelowner auf Vorash dürfte es viele Frauen geben, die ihren Familiennamen
nicht mehr tragen... oder besser... nicht mehr tragen dürfen.
Gajendra hatte damit in zweierlei Hinsicht ihr Gesicht verloren...
Daja Run hatte Ihr politisches Asyl gewährt. Ausser ihm wusste nur noch der älteste Jedi Namens
Horge um Ihre wahre Identität.
Gegenüber kam Bewegung in die Gruppe. Die Zeremonie
neigte sich dem Ende zu. Gajendra beeilte sich hinunter zu
kommen. Sie musste irgendwie näher herankommen, wenn
sie herausfinden wollte, wie lange sich diese Leute im
Kloster aufhalten würden.
Die Kapuze tief in`s Gesicht gezogen, machte sie sich auf
den Weg. Unten angekommen begegnete sie Daja Run,
den sie sogleich befragte, ob er wisse, wie lange die neuen
Gäste bleiben würden.
Er konnte Ihr die Frage nicht beantworten, denn anscheinend wussten es die Leute der
HIGHLANDER selbst nicht genau, wieviel Zeit sie für Ihre Recherchen benötigen würden.
Gajendra hielt sich im Hintergrund, als den Gästen gezeigt wurde, wo sie Nächtigen konnten.
Sie unterhielt sich noch etwas mit zwei Jedischülern, die aber auch nicht mehr wussten,
als sich jemand zu der kleinen Gruppe hinzugesellte und sie ansprach.
Gajendra brauchte sich garnicht erst umzudrehen, um zu wissen, wer gerade neben sie getreten war.
An die Stimme konnte sie sich nur zu gut erinnern. Sie war eindeutig Dr. Manson zuzuordnen.
Nachlässigerweise hatte sie zuvor die Kapuze Ihres Umhanges heruntergenommen, als sie mit den
Jedis sprach. Wie beiläufig zog sie sich diese wieder in`s Gesicht, bevor sie sich ihm zuwandte.
“Haben sie etwas dagegen, wenn ich ein paar medizinische Daten sammle” wollte Manson von der
kleinen Gruppe wissen.
Anscheinend fingen die Sonnen Jolem und Nulet an in unregelmäßigen Abständen beträchtliche
Mengen an Strahlung freizusetzen. Das Aussenteam der HIGHLANDER war hier, um Messungen
vom Planeten aus anzustellen, um deren Ursache und Auswirkungen zu ergründen, erklärte Ihnen
Dr. Manson.
Gajendra hatte kein gutes Gefühl dabei, dass Manson anfing medizinische Daten zu sammeln.
Wenn er sie nicht so schon erkennt, so würde er spätestens bei der Untersuchung feststellen, daß
ihre Lungen Folgeschäden aufwiesen, die von einem giftigen Gas herrühren könnten, vergleichbar
dem Desinfektionsgas auf der HIGHLANDER und sich auch sonst die Daten mit denen einer
gewissen Person glichen, die bei den Anschlägen auf der HIGHLANDER festgenommen und
kurzzeitig dem dort eingesetzten Desinfektionsgas ausgesetzt war...
Während Gajendra noch überlegte, wie sie sich am besten möglichst
unauffällig dem medizinischen Scan entzog, machte einer der Jedischüler
den Anfang. Allerdings schienen die Messwerte extrem verfälscht zu
sein, da das Gerät behauptete, der Jedi hätte eine Körpertemperatur von
300 °C. Was eindeutig nicht der Fall war...
Anscheinend wurde durch die extremen Sonnenaktivitäten auch der
medizinische Trikorder gestört.
Gajendra atmete innerlich auf, denn Manson stellte seine Versuche ein
auch bei den Anderen die medizinischen Daten zu sammeln...
Da er sie bisher nicht erkannt zu haben schien, weil er sie nie direkt
ansah (wahrscheinlich wollte er vermeiden, daß sie den Eindruck hat
angestarrt zu werden, aufgrund ihrer auffaelligen Verbrennung im
Gesicht), setzte Gajendra alles auf eine Karte, und fragte gerade heraus,
was er glaubt, wie lange sie sich im Kloster aufhalten würden.
Doch auch er konnte ihr keine genaue Antwort darauf geben.
Als Manson sich endlich abwand um zu deren zugewiesenen Unterkünfte zurückzukehren, spürte
sie förmlich die Anspannung von ihr weichen. Sie hatte die ganze Zeit über den Reflex
niedergekämpft ihre rechte Hand auf ihre Waffe sinken zu lassen...
***
Gajendra wechselte noch ein paar Worte mit den beiden
Jedis, bevor sie sich anschickte, in ihre Zelle
zurückzukehren. Sie beschloß das Kloster zu verlassen und
eine nahegelegene Oase aufzusuchen, die sie in den letzten
Tagen oft und gerne besuchte um Schiessübungen zu
machen. Ihre Treffsicherheit hatte arg gelitten, seit sie auf
dem rechten Auge erblindet war Aber vor allem wollte sie
dort der oftmals erdrückenden Ruhe im Kloster entfliehen.
Die TwiLek war gerade nicht im Zimmer, somit konnte Gajendra ungestört zu ihrem Bett treten und
unter ihrem Kopfkissen ihre Schusswaffe hervorholen. Unter ein paar lockeren Holzdielen zog sie
eine flache Schachtel mit Munition heraus. Die Waffe war schnell geladen und im umgeschnallten
Schulterholster verstaut. Vorsichtshalber zog Gajendra den Umhang sorgsam über die linke
Schulter, falls Nuraja plötzlich in der Tür stehen würde. Sie musste die Waffe ja nicht sehen...
Dann füllte sie noch ihren Wasserbeutel und wollte schon zur Tür hinaus, als ihr einfiel besser noch
etwas von der Salbe, welche sie vom Medicus erhalten hatte, auf ihre Verbrennungen aufzutragen.
Das Letzte was sie in der Wüste brauchen konnte, war eine Verschlimmerung der Entzündungen.
Gerade als sie das kleine Döschen mit der Salbe zur Hand nahm, wurde ihr kurz schwarz vor
Augen. Der Raum schien sich um sie zu drehen und Gajendra konnte geradenoch vermeiden
hinzufallen, indem sie sich auf den Tisch stützte.
Wieder einer der Schwächeanfälle... In der Wüste sollte ihr das besser nicht passieren. Aber im
Kloster zu bleiben war noch riskanter. Bisher hatte sie Glück gehabt nicht erkannt worden zu sein.
Aber es war auch dunkel. Am Tag würde es für sie sicher nicht so glimpflich ablaufen...
Gajendra atmete tief durch, nahm das Salbendöschen zur Hand und wollte sich gerade zur Tür
umdrehen, als in selbiger ein Jedischüler Namens Quan Dom Jar erschien.
Sie nickte ihm freundlich zu und sah ihn fragend an.
“Nuraja ist nicht hier, falls Du sie suchst. Sie wird noch in der Teeküche helfen”
“Ich weiss”, meinte Quan Dom Jar. “Nuraja ist nicht der Grund meines Besuches, im Gegenteil, sie
hat mich zu dir geschickt.”
Als Gajendra ihn noch fragender anblickte fügte er hinzu, dass er sich wohl eine Entzündung im
Mund zugezogen hätte und wollte wissen, ob sie ihm ihre Heilsalbe leihen könnte. Er wollte um
diese Zeit den Medicus nicht mehr stören und er war seines Wissens derzeit ohnehin knapp mit der
Klostersalbe, welche sie für alle erdenklichen Arten von Entzündungen verwandten.
Gajendra blickte einen Moment unsicher auf das Salbendöschen. Sie würde schon nicht sterben,
wenn sie die Salbe nicht dabei hatte. Also reichte sie ihm das Döschen.
Ausserdem bat sie ihn, Nuraja bescheid zu geben, daß sie zur kleinen Oase gewandert sei, weil sie
nicht schlafen konnte und um in der Einsamkeit und Ruhe der Wüste Ihre Gedanken zu ordnen.
Quan Dom Jar sah sie eindringlich an. “Es ist gefährlich allein in der Wüste. Du solltest Dir besser
innerhalb des Klosters ein ruhiges Plätzchen zum meditieren suchen.”
Gajendra lächelte zuversichtlich. “Keine Sorge. Ich bin in der Wüste aufgewachsen. Das ist meine
Heimat. Und die Oase zu der ich will ist ja nicht weit von hier.”
Quan Dom Jar war sich bewußt, daß sie sich davon nicht abbringen lassen würde, also nickte er nur.
Schliesslich war sie ja keine Gefangene und das Klosters kein Gefängnis.
Als Quan Dom Jar gegangen war, schlich sich Gajendra aus dem Kloster. Darauf bedacht
niemanden von dem HIGHLANDER-Aussenteam nochmals zu begegnen.
***
Nuraja Daleen war die Letzte in der Teeküche des Klosters. Die TwiLek losch die Kerzen und
wandte sich zum gehen, als der Gärtner des Klosters wie aus dem Nichts vor ihr erschien und Ihr
eine etwas welge Rose in die Hand drückte. Im ersten Moment überrumpelt sah sie verblüfft auf die
Rose in ihrer Hand. Dann seufzte sie resigniert. Er wollte ihr doch nicht schon wieder einen
Heiratsantrag machen... Wann begriff er es endlich?
Der Gärtner, dessen Bruder sie gut kannte und vor etwa einer halben Stunde zu Sharmira geschickt
hatte, grinste sie breit an und wollte schon ansetzen zu sprechen.
Nuraja fiel ihm jedoch mit nur einem einzigen, man möchte fast meinen unmißverständlichen
“NEIN!” in`s Wort und schob sich am Gärtner vorbei nach draußen.
Wutschnaubend eilte der Gärtner ihr hinterher. “Es ist wegen meinem Bruder nicht wahr?!”
Nuraja blieb seufzend stehen und sie hatte Mühe ruhig zu bleiben...
“Was? Was ist wegen Deinem Bruder?” fragte sie in einem erzwungen beherrschten, fast
übertrieben freundlichem Tonfall.
“DU! IHR! Ihr habt doch ein Verhältnis miteinander!!!” wurde sie vom Gärtner regelrecht
angeschrien. Nuraja verdrehte die Augen. Nahm das denn nie ein Ende? Während er ihr noch viel
mehr unterstellte, riß er ihr wütend die Rose wieder aus der Hand. Nuraja biss die Zähne zusammen,
als ein Dorn der Rose ihr dabei schmerzhaft eine schmale
Wunde in die Handfläche riß... Nun konnte sie sich nicht
mehr zurückhalten. Hatte sie zuvor noch ohne Erfolg
versucht den Gärtner zu beruhigen und darauf
Aufmerksam zu machen, daß er das ganze Kloster noch
wecken würde, so schrie sie ihn selbst mittlerweilen an.
Sie merkte wie Wut und Zorn es ihr verlockend machten
einfach nach dem Geist des Gärtners zu greifen und mit
ihren Jedifähigkeiten für Ruhe zu sorgen.... “Hör auf!
Bevor ich mich vergesse!!!” schrie sie noch, bevor sie sich aprupt von ihm abwandte um
schnellstmöglich viel Abstand zu ihm zu gewinnen. Sie musste sich beruhigen.... Sie befand sich
gerade an einer ganz gefährlichen Schwelle... Einer Schwelle die sie schonmal übertreten hatte, als
sie ihre Fähigkeiten gerade erst entdeckt hatte und niemanden hatte, der Ihr die Bedeutung und die
Gefahren aufzeigte. Wie viele Ihres Volkes war sie als Sklavin in Gefangenschaft aufgewachsen
und musste zur Erheiterung des Abschaums der Galaxis dienen. Nur reden wenn sie gefragt wurde;
den Blick immer gesenkt; immer Angst davor was der nächste Tag für sie bereithielt... Die Angst
war ihr ständiger Begleiter. Fast schon wie ein Freund war sie ihr geworden. Die Angst zeigte ihr,
daß sie noch lebte und sich noch nicht aufgegeben hatte. Nicht wie ihr kleiner Bruder, der nur noch
ein Schatten seiner Selbst war und sich geistig völlig von der Aussenwelt abgeschottet hatte.
Nuraja wusste nicht ob ihr Bruder zuhörte. Dennoch nahm sie ihn jeden Abend in den Arm und
erzählte Ihm, wie es sein wird, wenn sie es endlich schaffen zu fliehen... Von der Freiheit über weite
Wiesen zu laufen; in mächtigen Wäldern dem Gesang der Vögel zu lauschen und am Fusse von
Wasserfällen zu baden.Kein stinkender Kopfgeldjäger, Söldner, Pirat, Schmuggler oder sonstiger
Abschaum würde ihnen noch irgendetwas zu sagen haben.
Eines Abends wurde sie zu ihrem Verlies zurückgebracht, als sie gehässiges Gelächter und ein
dumpfes Geräusch, was sie erfahrungsgemäß als Schläge einordnete, vernahm. Irgendein armer
Kerl, der wohl seine Schutzgelder nicht mehr zahlen konnte, wurde wahrscheinlich gerade bis zur
Unkenntlichkeit verprügelt...
Dann realisierte sie, daß die Laute aus ihrer Zelle kamen. Ein ungutes Gefühl machte sich in ihr
breit, als die Wächter ihr aufschlossen und sie hineinstiessen. Das erste was sie sah, war ihr kleiner
Bruder, der reglos am Boden lag. Sein Körper über und über mit blauen Flecken und Platzwunden
bedeckt. Sein rechter Arm sah merkwürdig verkrümmt aus, und auch seine Lekis (die
tentakelartigen Auswüchse am Kopf eines TwiLek) hatten stark gelitten. Geronnenes Blut klebte an
seinen Mundwinkeln. Die Männer traten noch immer auf den reglosen Körper ein. Nuraja wusste,
daß ihr kleiner Bruder davon schon lange nichts mehr spürte... er war tot. Zorn kochte in ihr empor
als man sie zwang sich dies grausame Schauspiel anzusehen, mit den Worten, daß das auch Ihr
passieren würde, wenn ihr einfiele ihrem Herrn nicht zu antworten, wenn man sie was fragte...!
Ihr kleiner Bruder war stumm... er hätte nie antworten können! Tränen der Wut schossen ihr in die
Augenwinkel. Dann waren nur noch panische Schreie zu hören... Nicht ihre Schreie...
Nuraja schüttelte die düsteren Gedanken an damals ab. Der Jedimeister Horge ist ihr zu jener Zeit
begegnet, als sie selbst zu dem geworden war, was sie so sehr hasste...
Das war gerademal zwei Jahre her und sie war noch weit davon entfernt den Verlockungen der
dunklen Seite zu widerstehen.
Horge war streng, doch das war oftmals mehr als nötig, um sie von der dunklen Seite abzubringen
und sie in ihren Fähigkeiten zu schulen. Daja Run war anfangs skeptisch, ob Nuraja nicht schon zu
weit auf die dunkle Seite abgerutscht war, vertraute aber auf Horges Erfahrung in diesen Dingen.
Und Horges Erfolg ließ auch nicht lange auf sich warten. Nuraja schaffte es ihre ungezügelte Wut
zu bändigen und ihren Haß weitgehendst besänftigen, allerdings machte sich in ihr eine gewisse
Unsicherheit breit, in allem was sie tat, denn sie wusste, dass die Verlockungen der dunklen Seite
gerne ein Schlupfloch fanden um wieder in den Vordergrund zu treten...
Plötzlich wurde sie unsanft herumgerissen. Der Gärtner hatte sie wieder
eingeholt. Nuraja hatte sich noch nicht wirklich beruhigt und herrschte
ihn an; “Was willst Du noch von mir?! Ich sagte Du sollst mich in Ruhe
lassen!”
Nuraja war am verzweifeln.... Der Gärtner beschuldigte sie wieder aller
möglichen Dinge, die ihm zum einen garnichts angingen und zum
anderen noch nichtmal wahr waren...
Sein Bruder Quan Dom Jar ist Jedischüler, genau wie sie. Sie trainierte
oft mit ihm zusammen. Das war aber auch schon alles... Leider war der
Gärtner auf so ziemlich alles Eiffersüchtig was sein Bruder tat, da er
selbst keinerlei Jedifähigkeiten hatte.
“Ich wünschte mein Bruder wäre nie geboren worden” schrie sie der
Gärtner an und stapfte wütend davon.
“Pass auf was Du sagst!” schrie ihm Nuraja nach, der es mittlerweilen
egal war, ob das ganze Kloster aufgeweckt werden würde. War wahrscheinlich ohnehin der Fall...
“Soetwas kann schneller passieren als man glaubt!”
Das war zwar völliger Blödsinn, den sie da eben von sich gegeben hatte, aber sie war gerade derart
in Rage, daß ihr die Worte schneller heraussprudelten, als sie überlegen konnte...Sie musste gerade
wieder an ihren kleinen Bruder denken. Wünschte sich so sehr, daß er die endlosen Weiten der
Dünen Vakuhns sehen könnte. Die frische Luft atmen. Und die Ruhe im Kloster geniessen... das
heisst... bis auf den Gärtner.....
***
Erleichtert aufatmend endlich Ruhe zu haben, betrat Nuraja ihre Unterkunft.
Sie war mit Sharmira zusammengelegt worden, damit jemand bei ihr war, falls es zu
Komplikationen in ihrem Zustand kam. In letzter Zeit schienen sich Sharmiras Schwächeanfälle zu
häufen. Auch wenn sie es immer herabspielte.
Nuraja stellte mit etwas Bedauern fest, daß Sharmira gerade nicht da war. Sie hätte zu gern das eben
Geschehene von der Seele geredet und Sharmira hörte ihr immer geduldig zu. Nuraja konnte sich
darauf verlassen, daß Sharmira die ihr anvertrauten Geheimnisse für sich behalten würde. Es war
ihr unangenehm und sie wollte nicht, daß am Ende Daja Run von dem Ganzen erfuhr. Manchmal
konnte er strenger sein als Horge. Und irgendwann, so hoffte sie, würde der Gärtner endlich
aufgeben...
Wahrscheinlich aber spazierte Sharmira wieder durch`s Kloster, weil sie nicht schlafen konnte.
Nuraja fand es nicht gut, wenn Sharmira alleine Nachts durch`s Kloster spazierte. Vor allem
Daja Run würde nicht sonderlich begeistert sein, wenn er davon erfährt; ganz zu schweigen von
Horge...
Was war, wenn sie einen solchen Schwächeanfall hat und dabei eine Treppe hinunterstürzte? Es
wäre niemand da um es rechtzeitig zu bemerken. Sharmira hatte darüber nur gelacht und gemeint,
daß Ihr das in dem großen Kloster durchaus auch tagsüber passieren könnte und sie würde Nuraja
versprechen bei ihren nächtlichen Ausflügen Treppen zu meiden.
Nuraja hatte schlussendlich nachgegeben. Sie verstand daß Sharmira lieber allein war, wenn sie das,
was ihr im Schlaf so zu schaffen machte verarbeiten wollte.
Angeblich konnte sie sich an nichts vor ihrem Unfall erinnern.
Die Verletzungen, die sie erlitten hatten seien vom Angriff der Romulaner auf Vorash.
Nuraja glaubte ihr das nicht. Sie hatte eher das Gefühl Sharmira verheimlichte etwas.
Dieses Gefühl wurde um so mehr verstärkt durch die Tatsache, daß Nuraja einmal durch Zufall
beim vorbeigehen an Sharmiras Bett, das Kopfkissen versehentlich mitgerissen hatte. Als sie es
wieder an seinen Platz zurücklegen wollte, fand sie an jener Stelle eine Schusswaffe. Nuraja war
erst wie erstarrt... dann berührte sie mit etwas zittrigen Fingern die Waffe.
Als sie den Spiess mit den Sklavenhändlern umgedreht hatte, hatte sie selbst oft ähnliche Waffen in
der Hand.
Schnell hatte sie festgestellt, daß die Waffe nicht geladen war. Munition dazu sah sie keine.
Vorsichtig legte sie die Waffe wieder an ihren Platz und legte das Kopfkissen sorgsam darüber.
Sie war sich unschlüßig, ob sie Daja Run das melden sollte oder erst mit Sharmira darüber reden.
Sie hatte sich für Letzteres entschlossen, aber Aufgrund des Stresses mit dem Gärtner in den letzten
Tagen völlig darauf vergessen.
***
Ein Gong hallte unaufhörlich durch`s nächtliche Kloster.
Es wurde zum ersten Morgengebet (04:30 Uhr) zu Ehren
der aufgehenden Sonne Jolèm zusammengerufen. Auf dem
großen Platz vor dem Hauptgebäude hatten sich schon
einige Jedis versammelt. Ein paar wenige Nachzügler
kamen hinzu, und das Schlusslicht bildeten teilweise etwas
fragend dreinblickende Crewmitglieder der
HIGHLANDER, welche ebenfalls geweckt wurden, um
der Zeremonie beizuwohnen.
Nuraja kam gerade noch rechtzeitig vor Zeremoniebeginn hinzu. Das war ihr noch nie passiert, daß
sie fast verschlafen hätte. Allerdings kam sie auch ungewöhnlich spät in`s Bett; und dann noch der
Streit mit dem Gärtner... Warum hatte Sharmira sie nicht geweckt? Nuraja sah sich um, konnte sie
aber in der Menge nicht entdecken.
Offensichtlich wartete man noch auf einige der neuen Gäste. Nuraja gesellte sich zu Quan Dom Jar
und erkundigte sich, ob es seiner Entzündung mittlerweilen besser ginge, was dieser bejahte.
Ein paar andere Jedis gesellten sich zu ihnen, um sich über den Trainingsverlauf des kommenden
Tages zu unterhalten, während sie auf die letzten Nachzügler des HIGHLANDER-Aussenteams
warteten.
„Ich bin mir nicht sicher, ob ich heute an den Schwertübungen teilnehmen kann, da ich mir eine
unangenehme Schnittwunde in der Handfläche zugezogen habe.“ meinte Nuraja bedauernd zu einer
der Jedi.
„Wie ist denn das passiert?!“ wollte Quan Dom Jar wissen.
Nuraja winkte ab und meinte, daß sie nur an irgendeiner Pflanze hängengeblieben sei. Sie wollte
nicht, daß Quan Dom Jar von dem Streß, den sie mit seinem Bruder hatte erfuhr. Schon garnicht vor
den Anderen.
Mittlerweilen war der Medicus hinzugekommen und einer der HIGHLANDER-Crew, der sich als
Doktor identifizierte.
Quan Dom Jar war schon dabei die Wunde Nurajas mit der gleichen Salbe zu behandeln, welche er
für seine Entzündung verwendet hatte und versicherte Dr. Manson, daß die hauseigene Klostersalbe
bei solchen Dingen wahre Wunder wirke, was der Medicus bestätigte.
Zudem wurde nun ohnehin zum Gebet zusammengerufen und gemeinsam begrüßten sie die
aufgehende Sonne Jolèm.
***
Etwa eine Stunde später (05:30 Uhr)durchbrach abermals der Gong die Stille des Klosters, um zur
Begrüßung der Sonne Nulet zusammenzurufen. Die Jedi-Mönche erhoben sich aus ihrer Meditation
und einige des HIGHLANDER-Aussenteams schälten sich schon etwas weniger motiviert und
interessiert an den Bräuchen des Klosters, aus Ihren Betten.Was einem Offizier ganz besonders
anzumerken war, da er sich in mürrischem Ton erkundigte, wieviele solcher Gebete es denn noch
mitten in der Nacht gäbe. Daja Run zog mitlerweilen die Augenbrauen unwillig zusammen, als
selbiger Offizier auch noch einen Kaffee forderte. So wie Nuraja den Klostervorsteher kannte,
würde er den Offizier gleich dazu verdonnern selbst Kaffee zu kochen. Und zwar punkt 07.30 Uhr
zum Frühstück... für alle!
Sie hatte den Gedanken kaum zu Ende gedacht, da wurde Thomson auch schon entsprechend
gemasregelt. Auch Dr. Manson schien in der Hinsicht Daja Run zu unterstützen.
Noch ehe Thomson weiter protestieren konnte, kam jemand aus den Unterkünften des Aussenteams
angehetzt und rief aufgeregt nach Dr. Manson. Irgendetwas schien dort passiert zu sein. Nuraja zog
es jedoch vor mit einigen anderen Jedischülern irritiert auf dem Platz stehen zu bleiben, als sich der
gebildete Kreis für das Morgengebet schlagartig aufgelöst hatte. Daja Run und Horge waren über
die erneute Störung des Gebets empört und folgten Dr. Manson um zu sehen, was da los sei.
Einige der Jedis wurden ungeduldig. Noch nie wurde bisher die Zeremonie zu Ehren der Sonne
Nulet derart verzögert.
Anscheinend war wohl jemand aus der Crew der HIGHLANDER in`s Koma gefallen. Gerüchten
zufolge soll es sich sogar um Cpt. 1st Mayfield handeln.
Es war unheimlich ruhig auf dem Platz. Gelegentlich ein unsicheres Tuscheln, während die
Jedischüler darauf warteten, daß Ihre Meister zurückkamen um Klarheit zu schaffen.
Die Stille wurde jedoch völlig unerwartet von einem lauten Aufkeuchen unterbrochen, als Quan
Dom Jar verzweifelt versuchte nach Luft zu ringen und, noch ehe die anderen Jedis reagieren
konnten, zu Boden ging.
Ein Schüler lief los um den Medicus zu holen, welcher auch gleich herangeeilt kam. Dicht gefolgt
von Dr. Manson, der gerade eben noch Mayfield untersucht hatte.
Doch bei Quan Dom Jar konnten sie nur noch den Tod feststellen.
Die Todesursache war nicht zu ermitteln, da die medizinischen Trikorder nur wirre Daten lieferten.
Nachdem man den Toten in seiner Zelle aufgebahrt hatte wurde erneut zusammengerufen um nach
ein paar Worten der Trauer des Klostervorstehers mit der unterbrochenen Zeremonie fortzufahren.
***
Allmählich versammelten sich die Jedis, nach der zweiten Meditation, zum Frühstück im grossen
Hauptgebäude. Auch ein paar der neuen Gäste hatten sich dazu gesellt.
Dr. Manson hatte in der Zwischenzeit veranlasst Cpt. 1st Mayfield auf die NDCE HIGHLANDER
zurückbringen zu lassen, wo der noch immer, aus unergründlichen Gründen im Koma liegende
Offizier genauer Untersucht und behandelt werden konnte.
Ganz besonders gut schien sich einer des Aussenteams mit
Meister Horge zu unterhalten.
Und irgendwie hatte es Thomson wohl doch geschafft um
das Kaffeekochen herum zu kommen... bemerkte Nuraja
nur am Rande, da wurde sie auch schon von selbiger
Person angesprochen, welche vor kurzem noch mit
Meister Horge geredet hatte. Kessler war sein Name, wie
sie erfuhr.
„Sie sind doch bestimmt die Schülerin von Jedimeister
Horge?“ stellte er fest. Nuraja nickte höflich und noch ehe
sie Antworten konnte, fügte Kessler hinzu, daß Horge wohl grossen Lobes ob Ihrer Fortschritte sei.
Nuraja war angenehm überrascht, daß ihr Meister so von ihr überzeugt war, doch gleichzeitig war
sie etwas peinlich berührt. Denn wenn sie ihm beichtete, daß sie sich nicht an seine Anweisung
gehalten hatte, Sharmira keinesfalls alleine durchs Kloster spazieren zu lassen, bis es ihr wieder
besser ginge...
Kessler hingegen ließ sie nichts von Ihren Gedanken anmerken und antwortete ihm mit einem
offenen Lächeln, daß sie Meister Horge viel zu verdanken habe und es sie überrascht, aber auch
freut ein solches Kompliment zu hören.
Dieser Mr. Kessler schien entweder ein sehr redseliger Mensch zu sein, oder aber ein sehr
Neugieriger, denn in Nuraja erweckte sich langsam der Verdacht, daß sie geschickt über Horge
ausgefragt wurde, als er meinte, daß Horge ein sehr konservativer und strenger Mann zu sein
scheint.
Nuraja bejahte dies und fügte hinzu, daß in der Jediausbildung manchmal ein hartes und strenges
Durchgreifen durchaus nötig ist. Dann entschuldigte sie sich mit einem Vorwand, denn es behagte
ihr nicht auf diese geschickte Weise über ihren Meister ausgefragt zu werden.
Ausserdem machte sie sich langsam wirklich Sorgen um Sharmira. Beim Frühstück war sie auch
nirgends zu sehen...
Langsam leerte sich der Frühstücksraum und die Jedis zogen sich in ihre Zellen zurück zur
Meditation, während die Leute der HIGHLANDER es wohl vorzogen noch eine Mütze voll Schlaf
zu nehmen, bevor sie mit Ihren Scann`s begannen.
***
Nuraja konnte sich auf ihre Meditation nicht konzentrieren.
Immerwieder sah sie zu Sharmiras Bett hinüber. Sie war nicht da...
Den Weg, den Sharmira Nachts immer durchs Kloster nahm hatte Nuraja abgesucht. Sie hatten
miteinander vereinbart, daß sie immer den selben Weg nimmt, falls etwas passieren sollte, wenn sie
alleine Nachts durchs Kloster geht und somit schneller zu finden war. Auch hier keine Spur von ihr.
Wie sollte sie das nur beichten...
Nurajas Blick blieb auf dem Kopfkissen von Sharmira hängen. Da war noch mehr, was sie beichten
musste... Denn diesmal lag die Waffe nicht wie sonst unter dem Kissen... Sie war weg!
Es half nichts... Sie mußte mit ihrem Meister darüber sprechen. Auch wenn es den Ausschluss aus
dem Kloster bedeuten würde.
Entschlossen richtete sich Nuraja auf und verließ zielstrebigen Schrittes ihre Zelle, um Meister
Horge aufzusuchen.
Sie brauchte nicht lange zu suchen, denn sie lief ihrem Meister schon fast in die Arme, als sie auf
den grossen Platz hinaustrat.
Als sie ihm von der Waffe und Sharmiras verschwinden erzählte, schien es ihr, als sei Horge nicht
sonderlich überrascht. Und als er sie dazu ermahnte umgehend Daja Run darüber in Kenntnis zu
setzen, erschien er ihr geradezu gelassen. Nuraja hatte eigentlich eine ganz andere Reaktion
erwartet, machte sich aber darüber keine weiteren Gedanken, da das Schlimmste noch nicht
überstanden war... Daja Run...
Nuraja konnte erkennen, daß sich drüben an der Feuerstelle der Klostervorsteher gerade mit einigen
der Gäste unterhielt und meinte zu Horge, mit einem fast flehendem Blick, daß sie vielleicht einen
besseren Zeitpunkt abwarten solle. Es muss ja nicht unbedingt das Aussenteam der HIGHLANDER
dabei sein. Möglicherweise machte man nur unnötig die Pferde scheu, wenn sie in deren Gegenwart
die Waffe erwähnte...
Doch Horge ließ nicht nach und bestand darauf, höflich, aber keine Widerworte duldend, daß sie
umgehend Daja Run darüber in Kenntnis setzen müsse!
Nuraja spürte förmlich, wie all der Mut, den sie vorhin zusammengekratzt hatte, mit jedem Schritt,
den sie sich Daja Run und der kleinen Gruppe näherte, sich in Wohlgefallen aufzulösen schien...
Horge unterbrach mit einem höflichen und entschludigendem Lächeln die Unterhaltung, bei der es
anscheinend gerade um die Gruft Dshay Holuts ging. Anscheinend vermutet das Aussenteam darin
die Störquelle zu finden, nach der sie suchte und DajaRun verbot mit Nachdruck die Gruft zu öffnen
und damit die Totenruhe zu stören.
Ihr Meister ließ Daja Run wissen, daß Nuraja ihm etwas zu Berichten habe, während sie mit
gesenktem Blick vor den Klostervorsteher trat.
Nervös und mit zittriger Stimme wiederholte sie das, was sie zuvor ihrem Meister erzählt hatte.
Daja Run hatte seine Stirn steil in Falten gelegt, als er Nuraja dazu drängte alles zu erzählen, was ihr
zu der Sache einfiel und evtl. weiterhelfen könnte.
So erzählte sie, daß seit sie nach dem Empfang der neuen Gäste in ihre Zelle zurückgekehrt war
Sharmira nicht mehr gesehen hatte und mit ihr auch die Waffe, welche sonst immer entladen unter
ihrem Kopfkissen lag weg war. Sie ließ auch nicht aus, dass es immer häufiger vorkam, daß
Sharmira in der Nacht nicht schlafen konnte, wegen irgendwelcher Alpträume. Sie hatte
angenommen, dass sie aus diesem Grund wie eine Art Talisman die Waffe unter dem Kopfkissen
hatte... Zugegeben... ausgesprochen klang das jetzt selbst in Nurajas Ohren ziemlich naiv.
Sie ließ auch nicht aus zu berichten, daß Quan Dom Jar die Vermisste wohl zuletzt gesehen habe, da
er wegen einer Salbe gegen seine Entzündung, die ihn plagte, bei ihr war. Besagte Salbe hatte er
beim ersten Morgengebet bei sich, was beweist, daß er ihr noch begegnet sein muß.
Daja Run war, wie nicht anders erwartet, über alle Maßen von Ihr enttäuscht, was er sie auch
entsprechend wissen ließ...
Horge hingegen nickte ihr aufmunternd zu und meinte, daß sie das Richtige getan hatte. Nuraja
lächelte kurz zaghaft zurück und wandte sich wieder an Daja Run, falls er noch fragen an sie haben
sollte. Dieser jedoch unterhielt sich wieder mit dem Aussenteam, da einige nun einen Streit in der
Nacht erwähnten, welcher sehr heftig ausgefallen war und in dem es wohl unter Anderem auch um
einen gewissen Bruder ging. Es soll der Satz gefallen sein „Ich wünschte mein Bruder wäre tot!“
Nuraja setzte gerade an die Sache mit dem Streit aufzuklären, doch niemand schien ihr zuzuhören.
Da das Gespräch nun auch noch in die Richtung ging, daß der Streit vielleicht etwas mit dem Tod
des Jedi zu tun haben könnte, verschluckte sich Nuraja fast, als sie nochmals darauf hinweisen
wollte dieses Rätsel aufklären zu können. Sie war jetzt schon genug in die Missgunst Daja Run`s
gefallen... Dies sollte sie dann vielleicht wirklich unter vier Augen mit ihm klaeren. Abgesehen
davon war ihr die ganze Situation mehr als peinlich.
Gerade als sie glaubte um eine Strafe herumgekommen zu sein, wandte Daja Run sich wieder an
Nuraja.
„Zur Strafe wirst Du unseren Gästen die Schwertform vorführen, welche Du vor Deiner Zeit hier im
Kloster erlernt hattest“
„Aber... das ist schon so lange her. Ich weiss garnicht ob ich das noch richtig kann...“
„Du kannst es! Und Du wirst das Training übernehemen und allen interessierten Jedischülern diese
Form lehren.“
Während Ihrer Zeit in Gefangenschaft, hatte ihr eine Mitgefangene von einem anderen Planeten
diese Schwertform gezeigt. Damals musste ein morscher dünner Ast als “Schwert” dienen, dennoch
war es eine willkommene Abwechslung für Nuraja. Ein Weg ihrer Gefangenschaft für einen kurzen
Moment geistig zu entfliehen.
Daja Run wusste, dass die Aufgabe unangenehm für Nuraja war, die sich immerzu mit
Selbstzweifel plagte. Die Schwertform an sich war schon schwer... eine noch größere Aufgabe ist es
aber eine solche Form an Andere weiterzugeben. Selbst wenn es sich um Jedischüler handelte, die
bereits Erfahrung im Umgang mit Lichtschwertern hatten.
Nuraja verließ die Gruppe etwas geknickt und versuchte sich mental auf den Unterricht
vorzubereiten. Ihr Meister sprach ihr gut zu und war wohl zuversichtlicher als sie selbst, daß sie
einen guten Unterricht geben würde.
Die Zeit schritt schneller voran, als sie gedacht hatte. Die ersten Schüler versammelten sich bereits
auf dem Trainingsplatz.
Der Mann vom Frühstück – Mr. Kessler - sprach sie wieder an und war schon sehr gespannt auf das
Schwerttraining, als ihm die Verletzung in Nuraja`s Handfläche auffiel.
„Meine Güte, das sieht ja schlimm aus. Wie ist das denn passiert?“
„Oh... ich habe mich nur an einer Pflanze verletzt. Nichts weiter....“ log sie. Wobei... eigentlich war
es ja nichteinmal eine Lüge. Nur die halbe Wahrheit... Nuraja hatte nicht vor etwas von der Rose
und dem Streit mit dem Gärtner zu erzählen. Zumindest nicht jedem x-beliebigen... Nach dem
Training würde sie Daja Run um eine Unterredung unter vier Augen bitten und ihm das mit dem
Streit in der Nacht noch beichten...
„Eine Pflanze?! Haben sie das schon von unserem Doktor ansehen lassen?“ wollte Kessler wissen
Nuraja winkte ab. Sie hatte die Wunde schon garnicht mehr bemerkt. Die Hand tat überhaupt nicht
mehr weh. Ausserdem hatte der Medicus sie kurz vor dem ersten Morgengebet bereits gesehen und
Quan Dom Jar hatte ihr noch etwas von der Klostersalbe darauf geschmiert, was eine Entzündung
hemmen sollte.
Mr. Kessler schien bei der Erwähnung der Salbe hellhörig zu werden und ermahnte nochmals, daß
sie sich das von Dr. Manson genauer ansehen lassen sollte. Sie lächelte nur und meinte, daß Dr.
Manson sicher wichtigeres zu tun habe, als sich den harmlosen Schnitt anzusehen und im Moment
müße sie das Training vorbereiten. Fast im selben Moment wurde sie auch schon von Daja Run auf
den Trainingsplatz gebeten.
Nuraja überlegte vielleicht nach dem Training doch nochmals den Medicus und vielleicht auch Dr.
Manson aufzusuchen. Aber für den Moment verbannte sie den Gedanken.
Bis eben war sie noch recht ruhig gewesen, aber jetzt wo sie auf den Platz hinausschritt um sich bei
dem Klostervorsteher Daja Run und der Jedimeisterin Samira Kai Odwana aufzustellen, verspürte
sie nun doch etwas Nervosität. Auch eine seltsame Art von Mattigkeit, die ihr das Denken zu
erschweren schien überkam sie, was sie auf das Lampenfieber schob. Das Training zu machen war
ja schön und gut..., aber hier sah auch noch das Aussenteam der HIGHLANDER interessiert zu.
Während Daja Run einige Worte an die Gäste richtete, ging Nuraja nochmal kurz in Gedanken
durch, wie sie das Training aufbaute, um die Schwertform zu lehren.
Zunächst würde sie die komplette Form vorführen, damit sich jeder schonmal ein Bild machen
konnte, was auf ihn zukommen würde. Danach die komplette Form langsam zum mitmachen. Hier
würde sie dann schon sehen, wer Schwierigkeiten mit dem Bewegungsablauf hat, und wer Aufgrund
von Vorkenntnissen evtl. besser damit zurecht kam, um dann entsprechende Gruppen einzuteilen.
Während sie den Fortgeschrittenen bereits entsprechende Verkettungen der Form zeigte, welche sie
selbständig einstudieren konnten, kann sie in der Zwischenzeit mit den jüngeren Jedischülern, die
mit den Bewegungen noch Schwierigkeiten hatten ersteinmal die Grundstellungen durchgehen.
Doch soweit sollte Nuraja garnicht erst kommen...
Sie bemerkte an sich selbst extreme
Konzentrationsschwierigkeiten schon beim Gruß. Mit einer
entschuldigenden Verbeugung dem Klostervorsteher
gegenüber, wiederholte sie den Gruß, der die Schwertform
eröffnete und es gelang ihr, ihre Konzentration auf die
Form zu fokusieren.
Nuraja fühlte sich schrecklich matt, als sie die Form
beendet hatte, zwang sich aber innerlich dazu mit dem
Unterricht fortzufahren und schob es weiterhin auf ihre
Nervosität. Meister Horge wäre enttäuscht, wenn sie ihrer Unsicherheit nachgab...
Die Wunde fing wieder an schmerzhaft zu brennen, aber sie ignorierte es und begann mit den
Jedischülern die Schwertform nocheinmal Schritt für Schritt langsam durchzugehen. Hier und dort
korrigierte sie jemanden, als es ihr mitten in einer Bewegung schwindlig wurde. Sie verharrte kurz
und versuchte sich wieder auf die Form zu konzentrieren, doch wollte es ihr diesmal nicht mehr
gelingen. Plötzlich hatte sie das Gefühl keine Luft mehr zu bekommen und alles um sie herum
begann zu verschwimmen...
Mit einem hilfesuchenden Blick, sah sie zu Daja Run und Samira hinüber, als ihre Knie auch schon
unter ihr nachzugeben begannen. Das Schwert entglitt ihren Fingern, als sie seitlich taumelnd
wieder versuchte das Gleichgewicht zu finden... ohne Erfolg...
Samira Kai Odwana bemerkte als erstes, daß etwas nicht stimmte und kam herangeeilt, als Nuraja
krampfend zusammenbrach. Gerade rechtzeitig um ihren Sturz abzufangen und vorsichtig auf dem
Boden abzulegen. Krämpfe durchzuckten ihren Körper und schemenhaft nahm sie noch wahr, daß
sich einige Leute um sie versammelten um zu helfen... zu spät....
***
Eigentlich wollte Gajendra für ihren Rückweg zum Kloster, die Abendstunden abwarten, da es dann
nicht mehr so heiß war. Aber ungewöhnlicherweise hatte es schon den ganzen Tag geregnet, was
außerhalb der Regenzeiten schon eine extreme Seltenheit ist.
Somit machte sie sich bereits am frühen Nachmittag auf den Weg, in der Hoffnung, daß die Leute
der HIGHLANDER schon abgereist waren...
Nachdem sie die Munition ihrer Waffe an der Klostermauer versteckt hatte, betrat sie über den
hinteren Eingang das Kloster.
Ohne jemanden zu begegnen, erreichte sie ihre Gemeinschaftszelle und öffnete leise die Tür. Sie
wollte Nuraja nicht stören, die um diese Zeit bestimmt zu meditieren pflegte. Doch das Bild was
sich ihr bot, als sie in der Tür stand, ließ sogar Gajendra das Blut in den Andern gefrieren.
Nuraja lag auf ihrem einfachen Bett, eingehüllt in traditionelle Tücher. Jemand hatte ihr
Lichtschwert und ihren „persönlichen Knoten“, der für jeden Jedi individuell war, auf sie gelegt.
Drei Kerzen brannten neben ihrem Bett und in der Luft hing der Geruch von Räucherstäbchen.
Nuraja war tot...
Gajendra brauchte eine Weile, bis sie sich von dem Anblick lösen konnte und wieder einen klaren
Gedanken fassen. Die Angst jemanden von der HIGHLANDER-Crew zu begegnen war für den
Moment völlig in Vergessenheit geraten...
Sie kannte die Jedischülerin zwar noch nicht lage, aber erst jetzt wurde ihr bewusst, wie sehr sie
Nuraja gemocht hatte.
Der erste Mensch, der ihr begegnete war Meister Horge. Gajendra hatte
mittlerweilen ihre Fassung wieder gefunden und wollte nun von Horge
wissen, was mit Nuraja passiert ist.
Dieser erzählte ihr von den beiden Todesfällen und wollte seinerseits von
Gajendra wissen, wo sie die ganze Zeit über abgeblieben war. Da Horge
von ihrer wahren Identität wusste, erzählte sie ihm auch, daß sie
befürchtet hatte von jemanden der Gäste wiedererkannt zu werden.
Kurz darauf kam Daja Run hinzu und hatte die gleichen Fragen an
Gajendra. Als er hörte, daß Gajendra den Leuten von der HIGHLANDER
schoneinmal begegnet war, fragte er sie auch geradeheraus, ob sie
jemanden von diesen Leuten eine solche Tat zutrauen würde.
Gajendra überlegte und blickte hinunter zu dem großen Platz, auf dem ein
paar der besagten Leute zu sehen waren.
„Ich kenne diese Leute nicht gut genug um das beurteilen zu können. Ich
ihnen einen Mord zutrauen, zumal sich auch die Frage nach dem Motiv
stellt... Allerdings würde ich meine Hand dafür auch nicht in`s Feuer legen. Ich fürchte ich kann
ihnen da nicht wirklich weiterhelfen.“
Gajendra beantwortete noch einige Fragen, die Daja Run an sie stellte, als Dr. Manson an ihnen
vorbeikam. Wie beiläufig drehte sie sich weg, damit er ihr Gesicht nicht sehen konnte. Nun, da es
Tag war, würde er sie wohl eher erkennen, als bei dem kurzen Gespräch am Abend.
Dr. Manson ging weiter, ohne Notiz von ihr zu nehmen und sie führte das Gespräch mit Horge und
Daja Run weiter. Daja Run war nicht sehr begeistert von der Tatsache, daß Gajendra die ganze Zeit
über eine Waffe im Kloster versteckt hatte. Er konfrontierte sie damit, daß Nuraja diese wohl duch
Zufall unter Gajendras Kopfkissen entdeckt habe und ihm einige Stunden vor ihrem Tod noch
davon berichtet hatte.
Gajendra war klar, das sie dies nicht gerade in einem guten Licht darstellen wuerde...
Dr. Manson kam ein weiteres Mal an der Gruppe vorbei. Diesmal musste er Gajendras Gesicht
gesehen haben, da diese sich zu spät abgedreht hatte.
„HA!“ rief er aus, und Gajendras Nackenhärchen stellten sich auf. Ihre Hand zuckte zu der zweiten
Waffe in ihrem verborgenem Oberschenkel-Holster, als Manson anscheinend gut gelaunt ein
weiteres Mal an der Gruppe vorbeiging. „Die Sonne kommt raus!“ meinte er nur, als die für
Vakuhhn recht ungewohnten Wolken aufbrachen, um einige Sonnenstrahlen hindurch zu lassen.
Anfänglich verdutzt, konnte sich Gajendra ein fast sarkastisches Grinsen nicht mehr verkneifen, als
Manson wieder gegangen war. Und auch Jedimeister Horge schien es ähnlich zu ergehen, der
sichtlich nachempfinden konnte, wie sich Gajendra eben gefühlt haben musste.
Anscheinend war ihr Gesicht entstellt genug, dass man sie sogar am hellichten Tage nicht
wiedererkannte.
Sie zwang sich innerlich zur Ruhe, da offenbar keine Gefahr bestand, daß ihre wahre Identität
heraus kam, doch der Vorschlag von Daja Run sollte dies schnell ändern...
Er hielt es für besser, wenn sie sich zumindest einem der Crewmitglied der HIGHLANDER zu
erkennen gab, denn sie konnte hier nicht ewig dieses Versteckspiel aufrechthalten, solange die
Ermittlungen wegen der ungeklärten Todesfälle und den Recherchen der HIGHLANDER am laufen
waren. Daja Run wusste um die Gefahr, in die er sein Kloster brachte, wenn nicht Stillschweigen
über ihre wahre Identität gehalten wurde und schlug einen Jedischüler als Vermittler vor, der lange
Zeit in Minet Tabrun war und nun auf der HIGHLANDER mitreiste.
Gajendra gab sich schlussendlich geschlagen und willigte ein mit diesem Jedi Terix Quan-Chi zu
sprechen.
Es dauerte nicht lange, und besagter Jedi wurde hinzugezogen. Im Gegensatz zu Dr. Manson, hatte
er Gajendra sofort wiedererkannt und würdigte ihr kaum eines Blickes.
Gajendra erkannte in Quan-Chi jenen Mann wieder, der ihr damals auf der HIGHLANDER gerade
noch die Atemmaske über Mund und Nase gestülpt hatte, als kurz zuvor einer der Romulaner ihr
diese heruntergerissen hatte. Damit hatte er ihr wahrscheinlich im letzten Moment das Leben
gerettet.
Jener Jedi verhielt sich extrem reserviert ihr gegenüber und wollte den Grund ihres Versteckspiels
nicht einsehen. Er vertrat die Meinung, daß sie sich ihrer Taten stellen solle.
Gajendra stand zu dem, was sie getan hatte, verspürte aber herzlich wenig Lust zur Zielscheibe für
Racheakte zu werden.... Hatte er denn keine Ahnung wozu die Kelowner fähig waren???
Sie war ein kleines Stück zusammen mit Terrix an der Klostermauer entlang gegangen um nicht
allzusehr im Blickfeld der anderen zu sein und war in einer heftigen Diskussion verstrickt.
Terrix Quan-Chi betonte mehrfach, daß er nicht entscheiden könne ihre Identität gegenüber der
Anderen geheim zu halten und bestand darauf den XO, der sie ohnehin bereits erkannt haben solle
mit hinzuzuziehen. Gajendra willigte Schlussendlich ein, zumal die Möglichkeit durchaus bestand,
dass Terrix die Wahrheit sprach und Manson, der für diese Mission der XO war, sie erkannt hatte.
Manson war auffällig oft an ihr vorbeigegangen und schien wohl nur auf eine Gelegenheit gewartet
zu haben sie alleine anzutreffen.
Also kehrte Gajendra zusammen mit Terrix zurück zu Horge und Daja Run. Mittlerweilen war Dr.
Manson zu den beiden Jedimeistern getreten und auch Eryna Mayfield-Carrington war bei ihnen.
„Dr. Manson. Ich glaube diese Dame hat etwas mit ihnen zu besprechen“
sagte Terrix und wand sich auch schon ab um mit Daja Run zu reden,
während Manson Gajendra fragend ansah.
Gajendra schwieg, denn es störte sie, dass Mayfield-Carrington im
Hintergrund stand, wodurch das Versprechen nicht gegeben war lediglich
den XO; in diesem Fall Dr. Manson, mit einzubeziehen.
Auch der fragende Blick von Manson sagte ihr sofort, daß er sie,
entgegen der Versicherungen des Jedis, noch nicht erkannt hatte.
Mit unterdrücktem Zorn wand sie sich an Quan-Chi.
„Sie hatten behauptet Manson hätte mich erkannt!“ zischelte sie.
Terrix wand sich nur kurz um und meinte, das hätte er auch, während
Manson sich wohl fragte, was hier gespielt wird. Zumindest dürfte wohl
so sein Blick zu deuten gewesen sein....
Eryna Mayfield-Carrington war es dann, die mit einem leisen Satz auch
Mansons Gedächtnis auf die Sprünge half.
„die Attentäterin....“
„ach...?“ meinte Manson in einem kaum zu überbietendem Sarkassmus im Tonfall und betrachtete
sich Gajendra genauer, die innerlich kochte. So hatte sie sich das nicht vorgestellt....
„Ich sehe die Bewusstseinslöschung brauchen wir nicht mehr. Ihre gerechte Strafe scheinen sie ja
schon bekommen zu haben“ und spielte auf ihre Brandverletzung im Gesicht und dem erblindeten
Auge an.
„Sparen sie sich ihren Hohn!“ meinte Gajendra trocken.
„Man hielt es für besser, wenn ich mich einem von Ihnen zu erkennen gebe.“ Das Wort 'einem' hatte
sie besonders betont und Quan-Chi, der mit dem Rücken zu ihr stand und sich wieder mit Daja Run
unterhielt, einen strafenden Blick zugeworfen.
„Haben Sie etwas mit diesen Giftmorden zu tun?“ wollte Manson geradeheraus wissen.
„Ich bin kein Auftragskiller Dr. Manson!“ Gab Gajendra sichtlich empört zurück.
„Ja ich hatte auf der HIGHLANDER die Attentate verübt und jenes Virus einigen
Besatzungsmitgliedern injeziert. Es war aber nie unsere Absicht jemanden dabei ernsthaft zu
Schaden kommen zu lassen... Mit den Vergiftungen hier habe ich absolut nichts zu tun!“
Im Laufe des Gesprächs erklärte Gajendra, daß sie selbst erst vor kurzem aus der Wüste
zurückgekehrt war und Meister Horge ihr von den Todesfällen berichtete, nachdem sie Nuraja
aufgebahrt vorgefunden hatte.
Daja Run mischte sich in das Gespräch und betonte, dass Gajendra politisches Asyl innerhalb den
Mauern des Klosters gewährt wird und sie sich bislang Vorbildlich verhalten habe.
Bis auf die unangekündigten nächtlichen Ausflüge, fügte er mit einem tadelnden Blick hinzu.
Woraufhin ihm auch die von Nuraja erwähnte Waffe einfiel und seine Mine verfinsterte sich noch
ein wenig mehr...
Gajendra händigte ohne zu Murren diese aus, damit sie unter Verschluss genommen werden konnte.
Natürlich erwähnte sie mit keinem Wort ihre zweite Waffe im verborgenen Oberschenkelholster.
„Bis sie das Kloster wieder verläßt, wird sie ein völlig neuer Mensch sein und ihre Fehler der
Vergangenheit erkennen.“ erklärte Daja Run dem XO mit einem zuversichtlichen, als auch
tadelndem Seitenblick auf die untergetauchte Attentäterin.
Manson wollte gerade etwas entgegnen, als sich unvermittelt sein Communikator meldete.
Captain Norad war wohl bereits auf dem Weg nach Minet Tabrun um sich selbst ein Bild von der
Lage zu machen. Manson bestätigte und wandte sich wieder Gajendra zu.
„Solange hier offenbar jemand einen Jedischüler nach dem Anderen vergiftet und unsere Leute nach
dem Täter, als auch den Ursachen für die Störungen suchen, halte ich es für besser, wenn das
gesamte Aussenteam über Ihre Anwesenheit bescheid weiss“
Gajendra wollte protestieren und wies mit Nachdruck darauf hin, daß sie das Kloster dadurch nur in
Gefahr brächte, aber Manson blieb stur und zog es vor eventuelle Kurzschlussreaktionen seitens
uneingeweihter Crewmitglied zu vermeiden.
Schlussendlich gab Gajendra nach und erklärte sich auch bereit bei der Aufklärung der Mordfälle
behilflich zu sein. Insbesondere schon desswegen, weil es sie Interessierte, was die Leute von der
HIGHLANDER hier suchten, zumal Vakuhn kein Mitgliedsplanet der Union ist...
Eryna Mayfield-Carrington wollte wissen, ob Gajendra sich mit Giften auskennt, da ihnen solche
Kenntnisse wohl bei der Eingrenzung der Ursache für den Tod der beiden Jedischüler helfen könne.
Gajendra musste dies Verneinen. In den Fällen, in denen sie Gifte oder andere Substanzen
einzusetzen hatte, wusste sie selten, worum es sich handelte. Sie erhielt die entsprechenden
Substanzen mit dem Auftrag und einer Anweisung, wie das Gift zu verabreichen sei, doch mehr
wusste sie nicht. Das stellte sicher, dass sie bei einer evtl. Festnahme und Verhör, die Substanz
nicht verraten konnte, so wie es auch auf der HIGHLANDER geschehen ist.
***
Zwischenzeitlich wurde das Aussenteam der
HIGHLANDER auf dem grossen Platz zusammengerufen,
um Captain Norad zu empfangen, der jeden Moment
eintreffen sollte.
Manson wies Gajendra an, derweilen etwas abseits zu
warten, bis Norad eintraf, um mit ihm abzusprechen, ob
das Aussenteam über ihre Anwesenheit in Kenntnis gesetzt
werden soll.
Der Captain liess nicht lange auf sich warten und begrüßte zunächst seinen alten Freund Daja Run,
bevor er sich an Manson wandte, der ihm die derzeitige Lage schilderte.
Kurz darauf rief Manson Gajendra hinzu. Norad musterte diese und hielt es wohl für
ausgeschlossen, dass sich jemand an sie erinnern würde, so wie sie jetzt aussah.
„Kennt irgendjemand von Ihnen diese Dame?“ wollte Norad von seiner Crew wissen.
Ein schnaubendes „ohhh jaaa!...“ war von Silverstar, dem Katzenwesen, das damals auf Gajendra
aufmerksam gemacht hatte, zu hören. Andere nickten nur mehr oder weniger verhalten. Die
wenigsten kannten Gajendra nicht oder erkannten sie nicht.
Norad schien überrascht.
„Ach tatsächlich?“ sagte er.
Daja Run wechselte ein paar kaum hörbare Worte mit Norad. Gajendra vermutete, daß Daja Run
um die Sicherheit des Klosters fürchtete.
Der Captain wandte sich wieder an seine Leute und erteilte den Befehl, daß niemand diese Frau
gesehen habe, geschweigedenn sie kennt.
„Also... Kennt jemand diese Dame?“ fragte er erneut.
„Welche Dame?“ entgegnete Eryna Mayfield-Carrington.
Captain Norad schien zufrieden, nur Gajendra hatte noch immer ein ungutes Gefühl...
***
Die meiste Zeit über ließ man Gajendra unbehelligt. Bei
der Feuerbestattung der Jedischüler hielt sie sich im
Hintergrund. Anstatt die Zeremonie aufmerksam zu
verfolgen, beobachtete sie die Anwesenden. Einer der
Jedischüler schien nervös, denn er spielte unentwegt mit
seiner Kordel, die die Jedirobe zusammenhielt. Dem ließ
sie allerdings nicht allzu viel Bedeutung zukommen, denn
der junge Mann, war erst seit wenigen Monaten
Jedischüler und hatte wohl Angst, der Mörder könne sich
auch gegen ihn wenden. Ansonsten war ihr niemand aufgefallen, der sich sonstwie während der
Bestattungszeremonie Auffällig benahm.
So spazierte sie nach der Bestattung durchs Kloster und überlegte, wer ein Interesse daran hätte
haben können, die beiden Jedischüler zu vergiften. Es ärgerte sie, daß sie sich Aufgrund ihrer
ständigen Kopfschmerzen nicht wirklich konzentrieren konnte und hoffte auf Besserung, wenn sie
an der frischen Luft im Klostergelände auf und ab ging.
Völlig in Gedanken versunken, begegnete sie Mr. Kessler, der die Gelegenheit nutzte und sie um
ein Gespräch bat.
Mr. Kessler schien ein redseeliger Mann zu sein. Er interessierte sich entgegen der Anweisung des
Captains ganz besonders für Gajendras Identität und ihrer Vergangenheit. Gajendra hingegen wich
seinen Fragen so gut es ging aus und beantwortete ihm nur seine Fragen bezüglich der TwiLek, mit
der sie ein Zimmer geteilt hatte. Und auch für die Oase, die Gajendra vergangene Nacht aufgesucht
hatte, schien er sich besonders zu interessieren.
Die Erwähnung, dass die TwiLek mit dem ersten Mordopfer gut befreundet, und der Gärtner extrem
Eifersüchtig auf seinen Bruder war, stiess dann regelrecht offene Türen ein.
Auch Gajendra hatte den Gärtner als Täter im Hinterkopf. Doch traute sie ihm einen so
durchdachten Plan, der alle Spuren verwischte nicht zu. Wahrscheinlich wäre er eher plump mit
einem Gartengerät auf seinen Bruder losgegangen. Und warum hätte er dann Nuraja noch töten
sollen, wenn er seinen Nebenbuhler aus dem Weg geräumt hatte...
Allerdings konnten manche Leute in solcherlei Beziehung durchaus
Erfinderisch und unberechenbar werden. Also schloß Gajendra den
Gärtner nicht völlig aus.
Auch über Horge wurde sie ausgefragt. Sie konnte nur sagen, daß Horge
über Besucher im Kloster nicht sonderlich erfreut ist, er sich aber in
letzter Zeit nicht mehr ganz so ablehnend ihr gegenüber verhielt.
Mr.Kessler wurde indess durch einen Funkspruch abgelenkt, der offenbar
zwischen einem sehr aufgebrachten Captain Norad und einem Mitglied
des Aussenteams stattfand. Darin ging es wohl um einen Keller und
Versuche mit mit einem dort aufgefundenem Portal und irgendwelcher
Zeitphänomenen? Doch Mr. Kessler entfernte sich etwas von Gajendra
und sie konnte dem Gespräch nicht mehr lauschen.
Was hatten die Leute der HIGHLANDER auf Vakuhn und vor allem in
diesem Kloster wirklich vor???
***
Wenige Stunden später fing Dr. Manson sie ab, als sie gerade auf dem Weg zu ihrem neu
zugeteilten Quartier war.
„Miss Gajendra? Hätten sie wohl etwas Zeit für mich?“
Gajendra blieb stehen und sah Manson gezwungen freundlich an. Sie konnte diesen Mann nicht
ausstehen, obwohl er eigentlich auf der HIGHLANDER alles getan hatte um sie am Leben zu halten
und die Schmerzen zu lindern, als sie die giftigen Desinfektioinsdämpfe eingeatmet hatte.
Vielleicht versuchte sie aber auch mit dieser Abneigung ihr schlechtes Gewissen zu überdecken, das
an ihr nagte, seit sie an dem Attentat beteiligt war.
„Natürlich habe ich Zeit.Was kann ich für sie tun Dr. Manson?“ wollte Gajendra wissen.
„Der Medicus dieses Klosters wurde ebenfalls vergiftet. Anscheinend war die Salbe, welche der
Jedischüler bei sich hatte dafür verantwortlich....“
„Der Medicus ist tot?“ unterbrach sie Dr.Manson erschrocken.
„Nein, er lebt noch. Wir kamen noch rechtzeitig hinzu um das Schlimmste zu verhindern.
Allerdings schwebt er noch in Lebensgefahr. Aber desswegen bin ich nicht hier.“ ergänzte Manson.
„Entspricht es den Tatsachen, daß sie die Salbe zuletzt hatten, bevor sie sie diesem Quan Dom Jar
ausgehändigt hatten?“
Gajendra nickte zögernd.
„Ja, das stimmt. Aber ich hatte sie kurz zuvor noch selbst auf meine Brandverletzungen
aufgetragen. Und wie sie sehen lebe ich noch...“
„Haben sie etwas dagegen, wenn ich sie kurz untersuche?“ wollte Manson wissen.
Gajendra zuckte mit den Schultern. „Wenn es ihnen weiterhilft... Aber ich
dachte ihre Geräte funktionieren derzeit nicht zuverlässig?“
Manson ging nicht weiter darauf ein und besah sich die Brandwunden genauer.
„Haben sie irgendwelche Beschwerden? Fühlen sie sich matt oder ist ihnen unwohl?“ fragte er,
während er ihren Kopf abtastete.
„Eigentlich nicht....das heisst gelegentlich habe ich Schwindelanfälle und soetwas wie Blackouts.
Aber seit gestern Abend habe ich eigentlich nur leichte Kopfschmerzen.“
„Seit wann haben sie das?“ fragte Manson leicht alarmiert.
„Seit meinem 'Unfall' würde ich sagen. Ich lag bis vor drei Wochen noch im künstlichen Koma,
wegen meiner schweren Kopfverletzungen. Ich denke die Schwindelanfälle sind ganz normal, wenn
man von einem Balkon gestürzt ist und von einem Blasterschuß, Feuerwerfer oder ähnlichem
angeschossen wurde.“
Manson entgegnete nur ein nachdenkliches „Ja, sicher“ und tastete Gajendras Kopf ab.
„Scheint soweit alles gut zu verheilen“ murmelte er. „Diese Blackouts... wie äußern die sich?“
„Ich bin mir nicht sicher. Manchmal habe ich das Gefühl mir würden ein paar Stunden vom Tag
fehlen. Ich weiss manchmal nicht mehr wie ich an manche Orte im Kloster gelangt bin bzw. hab
vergessen was ich dort wollte.... Oder bin einfach nicht ansprechbar, wie Nuraja mir mitgeteilt
hatte.“
„Und an das, was sie während der Blackouts getan oder nicht getan haben erinnern sie sich nicht?“
fragte Manson.
„Nein“ entgegnete Gajendra leicht genervt. „Sonst wären es ja wohl keine Blackouts....“
Manson sah Gajendra durchdringend an, packte seinen Trikorder wieder weg und bedankte sich
kurz angebunden bei ihr, ehe er sich abwand und zu einer Gruppe Jedis weiterging.
***
Am späten Nachmittag wurden alle Jedis zu einer Versammlung zusammengerufen. Die Crew der
HIGHLANDER hatte sich bereits auf dem grossen Platz versammelt und Aufstellung genommen.
Auch Gajendra ließ man rufen, die sich unschlüssig etwas
Abseits der beiden Gruppen stellte.
Daja Run unterhielt sich mit Captain Norad und stellte sich
dann in den schmalen Gang, den beide Gruppen sich
gegenüberstehend gebildet hatten, wie eine bedrückende
Art von Ehrenspalier.
Daja Run drückte seine Empörung über die beiden
Todesfälle aus. Doch er ist froh mitteilen zu können, daß
der Zustand des Medicus stabilisiert zu sein scheint und er
ausser Lebensgefahr ist.
Als Ursache der Vergiftungen entpuppte sich das Salbendöschen Gajendras, in dem ein Gift
beigemischt war, das eine Sauerstoffaufnahme in den Zellen verhinderte.
Gajendra schnürte es vor Unbehagen regelrecht die Kehle zu, als Daja Run sie plötzlich aufforderte
hervorzutreten. Was sollte das? Wollte man ihr etwa nun die Morde anhängen? Zögerlich trat sie
zwischen die sich gegenüber stehenden Reihen. Rechts von ihr die Jedis des Klosters, die sie eher
fragend ansahen. Links von ihr das Aussenteam der HIGHLANDER, von denen die meisten eine
eher dienstliche Miene aufgesetzt hatten, bei Anderen wiederrum glaubte sie soetwas wie Haß und
Abneigung zu erkennen...
Es war kein langer Weg bis zu DajaRun, aber Gajendra kam es wie der reinste Spießrutenlauf vor.
Und als sie endlich vor DajaRun angekommen war, wurde ihr unbehagliches Gefühl nicht wirklich
besser.
DajaRun blickte sie streng und forschend an.
„Haben sie uns noch irgendwelche Informationen vorenthalten, die sie jetzt vielleicht ergänzen
möchten?!“
Gajendra sah DajaRun leicht verunsichert an. Sicher war mittlerweilen, daß ihre Salbe der Auslöser
für die Todesfälle war.
In den Augen der HIGHLANDER-Leute war sie ohnehin Schuldig, dessen war sie sich sicher...
Nochmals beteuerte sie, mit der Sache nichts zu tun zu haben.
„Dann haben sie sicher nichts dagegen, wenn ich mit meinen Jedifähigkeiten ihre Aussage auf Ihren
Wahrheitsgehalt hin überprüfe?“ DajaRun klang streng und Widerworte würden ihn wohl kaum
daran hindern es dennoch zu tun und zudem den Verdacht gegen sie schüren.
Gajendra spürte sämtliche Blicke auf sich gerichtet und obwohl es ihr eigentlich absolut nicht recht
war, daß schonwieder ein Jedi sie zu einer Aussage zwang und in ihrem Geist herumstöberte,
erklärte sie sich dazu bereit.
DajaRun legte sanft eine Hand auf ihre Stirn und befragte sie nochmals zu ihren Aussagen. Es war
anders als damals als sie auf der HIGHLANDER auf ähnliche Weise verhört worden war. Ihre
Gedanken waren freier und es gab keinen Zwang Wahrheitsgemäß mit Ja oder Nein zu antworten.
Vielmehr war da nur etwas in ihrem Geist, das ihre Antworten beobachtete und nur sanften Druck
ausübte.
DajaRun schien jedoch etwas gefunden zu haben, was ihn störte.
„Und nun zu Deinen Blackouts, von denen Du berichtet hattest. Wann hattest Du zuletzt eine solche
Bewusstseinsstörung?“
Gajendra überlegte und sie spürte, wie DajaRun, jeden einzelnen Gedankenweg prüfte und
beobachtete...
Zögerlich antwortet sie ihm, daß ihr in der vergangenen Nacht, kurz bevor sie dem Jedischüler die
Salbe ausgehändigt hatte wieder Schwindlig geworden war und sie vielleicht nur fuer einen
Sekundenbruchteil weggetreten war. Seit sie aus der Wüste zurückgekommen ist, war sie eigentlich
nur etwas matt. Keine Schwindelanfälle oder Blackouts bisher, abgesehen von den ständigen
Kopfschmerzen, an die sie sich schon fast gewöhnt hatte.
DajaRun sah Gajendra nachdenklich an.
„Ich spüre da etwas... etwas dunkles...“ murmelte er; dann verstärkte sich der Druck auf ihr
Unterbewußtsein fast Schlagartig und Gajendra zuckte kurz zusammen. Das was sie nun in ihren
Erinnerungen sah, versetzte ihr einen Schock.
Ein Garten, an den sie sich nicht erinnern konnte ihn je gesehen zu haben... dennoch sah sie, wie sie
mit eigenen Händen Blätter einer ihr unbekannten Pflanze pflückte; diese zum trocknen legte und
Tage später zu einem feinen Pulver zerrieb, welches sie ihrer Salbe untermischte.
Völlig benommen von dem, was sie eben gesehen hatte, ließ der Druck, den DajaRun auf sie
ausübte, um die fehlenden Erinnerungen zu wecken, langsam nach.
„Du sprichst die Wahrheit und doch gibt es mehr, was sich unter der Oberfläche verbirgt.“
Enttaeuscht wendet er sich zu den Jedis des Klosters.
„Einer ist unter Euch, der die Todesfälle zu verantworten hat! Ich weiß jetzt, daß es ein Jedi war,
der seine Macht mißbraucht hat. Ich vermag nicht zu sehen wer es war... Doch ich sage ihm, daß ihn
dieser Weg in seinen Untergang führen wird!“
DajaRun ging das Spalier entlang und schien die Leute der HIGHLANDER völlig zu ignorieren.
„Derjenige der es war, hat jetzt und hier noch die Freiheit zu bekennen und einen anderen Weg zu
wählen. Denn wenn ich selbst herausfinden werde, wer dahinter steckt und vorallem was passiert
ist, dann werdet ihr alle sehen, wie kompromisslos DajaRun richten wird! Für diese Morde wird
bezahlt werden...!
Sanft legt DajaRun eine Hand auf Gajendras Schulter.
„Es tut mir leid, daß ich dich dazu zwingen musste, zu sehen, was Du nicht sehen konntest. Du
warst uns eine grosse Hilfe“ mit diesen Worten entlies er eine völlig verwirrte Gajendra.
An das HIGHLANDER-Team gewandt entschuldigte er sich für seinen Verdacht, daß einer von
Ihnen für die Morde verantwortlich sei...
Die Versammlung löste sich allmählich wieder auf, ohne daß der Schuldige sich zu erkennen gab...
Aufgrund der neuen Sachlage durften die Leute der HIGHLANDER ihre Waffen wieder in
Empfang nehmen. Einige Jedis standen in Grüppchen zusammen und schienen Fassungslos darüber,
daß einer unter Ihnen ein Mörder sein soll und wohl der dunklen Seite verfallen... Jedimeister Horge
wurde eingehend befragt, da er Schüler ausbildete, die bereits der dunklen Seite verfallen waren und
sie mit Geduld und Disziplin wieder auf den rechten Weg brachte. Er müßte am besten wissen, wem
eine solche Tat zuzutrauen wäre, aber auch er schien bestürtz und ratlos in dieser Sache.
Gajendra war eine Weile alleine durch die Klosteranlagen spaziert um wieder einen klaren Kopf zu
bekommen. So recht wollte sie nicht verstehen, warum ein Jedi sie dazu benutzt hat die
Klostersalbe zu vergiften...
Auf ihrem Weg durch das Kloster begegnete ihr DajaRun. Er sah sie etwas besorgt an und
erkundigte sich danach, wie es ihr ginge.
„Es geht schon wieder. Es war im ersten Moment nur ein ziemlicher Schock zu erkennen, daß ich es
war, die die Salbe vergiftet hat....“ antwortete sie ihm.
„Das warst nicht Du Sharmira. Du solltest Dir desswegen keine Vorwürfe machen.“
Gajendra nickte nachdenklich.
„Ich verstehe nur eines nicht... Wie konnte der wahre Mörder sich so sicher sein, daß ich die Salbe
an Quan Dom Jar weitergebe?“ wollte sie wissen.
„Das konnte er nicht. Aber wer sagt, dass er wollte, dass Du die Salbe weitergibst? Die Salbe war
für Deine Brandverletzungen bestimmt. Nicht für die Jedischüler, die sich durch Zufall verletzt
hatten und die Salbe brauchten...“ meinte DajaRun und sah Gajendra ernst an.
„Ihr meint also, daß ich das eigentliche Ziel des Mörders war und man nicht die Tat einfach nur auf
mich abwälzen wollte?“
DajaRun nickte. „Ja das denke ich!“
„Aber das ergibt keinen Sinn. Es gibt zig andere Möglichkeiten jemanden umzubringen... Warum
ein solch ungewöhnlicher Aufwand?“
Gajendra hatte den Satz kaum ausgesprochen, da wurde es ihr selbst klar. Ein Jedi, der sein Opfer
beeinflusste sich selbst zu vergiften hinterläßt keine kriminologisch verwertbare Spuren...
Hinzu kommt, dass das Gift offenbar verhinderte, daß die Zellen des Körpers Sauerstoff aufnehmen
konnten. Die beiden Jedischüler und der Medicus, der etwas von der Salbe versehentlich in`s Auge
bekommen hatte, kamen in direkten Kontakt mit dem Gift über die Schleimhäute oder Blut. Damit
wirkte es wesentlich schneller, als bei Gajendra, die nur eine geringe Menge regelmäßig auf die
vernarbte Brandwunde auftrug. Ihre Schwindelanfälle waren wohl ein Resultat jenes Giftes, wenn
die Gehirnzellen zu wenig Sauerstoff aufnehmen konnten. Seit sie die Salbe nicht mehr Auftrug
ging es ihr schon wesentlich besser... Wäre sie jedoch bei weiterer Verwendung der Salbe
verstorben, hätte niemand Fragen gestellt, da sie Aufgrund ihrer Verletzungen und dem
Krankheitsbild Gesundheitlich ohnehin recht waklig dastand. Niemand wäre über ihren Tot
verwundert gewesen... Der perfekte Mord! Das heisst... wenn sie die Salbe nicht aus der Hand
gegeben hätte...
Aber welcher Jedi hatte ein Interesse daran Gajendra aus dem Weg zu schaffen???
Sie musste wieder an den nervösen neuen Jedischüler denken. War es möglich, daß er ein
kelownischer Spion ist?
Aber den Gedanken verwarf sie gleich wieder. Kelownische Spione waren kaltblütig. Sie würden
nicht nervös an ihrem Gewand spielen...
DajaRun wollte schonwieder weitergehen, als Gajendra ihn schnell zurückhielt.
„Eine Frage hätte ich da noch... Könnte auch ich meine Waffe wieder bekomme? Immerhin ist der
Mörder wohl hinter mir her...“
Der Klostervorsteher schien Bedenken zu haben, allerdings hatte er auch dem HIGHLANDERAussenteam
gestattet ihre Waffen wieder entgegenzunehmen.
„Ich werde sie nicht laden, solange ich keine unmittelbare Bedrohung sehe.“ versprach Gajendra.
Immerhin war ihr der Gedanke unheimlich ihre Salbe vergiftet zu haben und damit bereits zwei
Leben; fast Drei... auf dem Gewissen zu haben. Sie wollte nicht unbedingt ein weiteres mal von
jenem unbekannten Jedi beeinflusst werden und am Ende ohne es zu wollen gebrauch von ihrer
Schusswaffe zu machen.
***
Auf dem Weg zum Verwalter um ihre zweite Waffe abzuholen, begegneten ihr Dr. Manson und Mr.
Thomson. Sie war kaum an den Beiden vorbei, da hörte sie Manson nach ihr rufen.
Gajendra blieb stehen und drehte sich zu ihm um.
„Was ist das für ein Gefühl, wenn man wirklich von einem Jedi beeinflusst worden ist und den Tot
zweier Menschen verursacht hat Miss Gajendra?“ fragte er sie in einem Tonfall, der nicht erkennen
ließ, ob er Mitleid mit ihr hatte oder sie verhöhnte.
Gajendra seufzte. Hatte man nicht vereinbart, daß ihr Name nicht genannt werden soll? Aber ihr
war ohnehin klar, daß sobald zu viele Leute bescheid wussten, eine Geheimhaltung nicht mehr
gewährleistet werden konnte.... Sie konnte nur hoffen, daß die Leute der HIGHLANDER alsbald
wieder weg von diesem Planeten sind, bevor sie einem kelownischen Spion gegenüber versehentlich
ihren Namen erwähnen....
„Sie spielen darauf an, daß wir bei unserer Mission auf der HIGHLANDER behaupteten beeinflusst
worden zu sein nehme ich an.... Wenn sie es genau wissen wollen.... Es ist KEIN gutes Gefühl zu
wissen, daß man von jemand Anderes kontrolliert wurde und vielleicht jederzeit wieder kontrolliert
wird...“
„Warum haben sie damals dieses Attentat verübt?! Ihnen ist doch wohl klar, daß wir alle dabei
hätten draufgehen können!“ Manson gab sich gelassen, doch man konnte die Wut in seinen Augen
sehen.
Gajendra schlug die Augen nieder, ehe sie Manson wieder ansah und ihm antwortete.
„Wir konnten ja nicht ahnen, daß sich auf ihrem Schiff ein solches Terminator-Programm
einschalten würde, sobald wir das Gas freisetzen. Es sollte niemand zu Schaden kommen. Wir
wollten nur daß das Schiff beidreht und wieder Vakuhn anfliegt, damit ihr mit eigenen Augen sehen
könnt, wie die Kelowner wirklich sind... Ihr habt die vernichteten Dörfer doch gesehen! Und es
wären weit mehr gestorben, wenn wir jenes Attentat nicht verübt hätten...“
„Das ist doch völliger Unsinn!“ mischte sich Thomson aufgebracht ein. „Ihr hättet mit dem Captain
sprechen können und ihm die Sachlage erklären! Aber doch nicht auf diese Feige weise
Menschenleben in Gefahr bringen!“
Gajendra seufzte wieder. Sie wusste selbst dass nicht alles nach Plan verlaufen war. Dass die ganze
Delegation an Diplomaten auf die HIGHLANDER verbracht wird, weil die MANITOBA einen
Maschinenschaden hatte, war nicht mit eingeplant.
„Wir wussten nicht auf wessen Seite sie wären und wem wir trauen können. Ausserdem hatten die
Romulaner ein wachsames Auge auf den Captain. Es wäre ihnen aufgefallen, wenn einer der
Diplomaten versucht hätte mit ihm unter vier Augen zu sprechen...
Unser Hauptziel war es, daß die kelownischen Diplomaten nicht von Vakuhn wegkommen würden
um an den Verhandlungen zur Aufnahme in die Union teilnehmen zu können. Bestenfalls hätten die
Verhandlungen vor Ort stattfinden müßen und jeder hätte die Verlogenheit der Kelowner erkannt!
Oder wäre es ihnen lieber Spielball der Romulaner zu sein, weil die Kelowner nun in der Union
sitzen und Euch bespitzeln?!“ gab Gajendra mit einem leicht gereizten
Ton zurück.
„Nein... natürlich nicht...“ meinte Dr. Manson.
„Terroristen!“ murmelte Thomson hingegen.
„Sie hatten also nie vor jemandem wirklich zu Schaden, bei dieser
Aktion?“ der leicht lauernde Unterton in Mansons Stimme störte
Gajendra...
„Sagten sie nicht vor ein paar Stunden, daß sie nicht gewusst haben um
welche Art von Gift oder Virus es sich damals gehandelt habe. Sie
wussten also nicht, daß es völlig harmlos wäre und sind bewusst das
Risiko eingegangen, daß die Besatzung daran sterben würde!“
„Es wäre ein kleiner Preis gewesen für die Menschenleben, die wir durch
dieses Opfer gerettet haben! Keiner von uns wollte Aussenstehende da
mit hineinziehen... aber wir sahen in dem Moment keinen anderen
Ausweg...“
„Dann tut es Ihnen also Leid, was sie auf der HIGHLANDER getan haben?“ wollte Manson wissen.
„Ich bedauere, daß wir so handeln mussten... Doch entschuldigen kann ich mich dafür nicht. Ich
würde unter entsprechenden Umständen wieder so handeln, und damit wäre jede Form der
Entschuldigung nur geheuchelt.
„Ich hätte sie doch an die Wand stellen und erschiessen lassen sollen, als ich noch die Gelegenheit
dazu hatte!!!“ meinte Dr.Manson trocken.
Gajendra verschlug es regelrecht die Sprache. Mit einer solchen Antwort hatte sie nicht gerechnet.
Und so wie er sie ansah, war das nicht nur einfach dahingesagt, sondern durchaus ernst gemeint...
„Gut für sie, daß sie es nicht getan haben... durch meine diplomatische Immunität in dieser Sache,
hätten sie sich damit enorme Schwierigkeiten eingehandelt...“ gab Gajendra zurück.
„Ihr und eure diplomatische Immunität!“ rief Thomson ein. „Nichts weiter als Feiglinge seid ihr!
Erschleicht euch falsche Identitäten; vergiftet die Leute, wenn ihr alleine mit ihnen seid und
versteckt Euch hinter Eurer diplomatischen Immunität!“ die letzten beiden Worte hatte er geradezu
ausgespuckt...
Gajendra schüttelte nur den Kopf... Man wollte sie offensichtlich nicht verstehen und
wahrscheinlich gab es in ihren Kulturen auch keine gemeinsame Grundlage um sich zu verstehen...
In einem Punkt lag Thomson ausserdem falsch. Die Leute hatte sie immer dann vergiftet, wenn
besonders viel los war und diese dadurch zu abgelenkt um mitzubekommen, daß an Gajendras
Handgelenk die vermeindlich tödliche Spritze verborgen war. Eine sanfte Berührung an der Schulter
ihrer Opfer, um dessen Aufmerksamkeit auf sich zu lenken und in ein belangloses Gespräch zu
verwickeln, um die Berührung zu vertuschen... und das Opfer hatte garnicht mitbekommen, daß es
schon zu spät war! Aber ihre Arbeitsweise würde sie ihm sicher nicht erklären... Die Beleidigung
ein „Feigling“ zu sein, hatte sie ganz besonders getroffen. Fast bedauerte sie Thomson damals nicht
das Virus injeziert zu haben. Dreimal hätte sie die Gelegenheit dazu gehabt, aber zu dem Zeitpunkt
gab es noch keine Freigabe für die Aktion Samurai.
Während sie mit Thomson über Sinn und Unsinn jener Aktion von damals diskutierte wurde Dr.
Manson weggerufen.
Thomson weigerte sich auch nur Ansatzweise ihren Standpunkt zu verstehen, geschweigedenn ihren
Argumenten Gehör zu schenken...
Gerade als sich Gajendra abwenden wollte, weil sie genug von dieser Diskussion hatte, gab es eine
Detonation....Ein lauter Knall und kurz darauf aufgeregte Stimmen.
Gajendra stürmte auf den Platz und sah eine Staubwolke aus der Gruft Dshay Holuts quellen.
Das Aussenteam formierte sich bereits vor der Gruft, um zu sehen, was passiert war. Horge stand zu
forderst und wirkte ratlos, als die Leute eine Menge Fragen an ihn stellten, da er zuletzt Wache an
der Gruft stand. Als anscheinend beschlossen wurde in die Gruft vorzudringen um nach dem
rechten zu sehen, und bei der Gelegenheit auch die Störquelle ausfindig zu machen, war Horge einer
der Ersten, der die Gruft betrat. DajaRun hatte sich resigniert zurückgezogen, da es offenbar nicht
mehr möglich war die Totenruhe zu bewahren und die Leute daran zu hindern Dshay Holuts Grab,
dem Gründer des Klosters, zu betreten..
Gajendra zog es vor nicht den anderen zu folgen und blieb abwartend vor der Gruft stehen. Kurz
darauf meldete jemand, daß man Borgtechnologie in der Gruft gefunden hätte, von der man
ausgehen konnte, daß es sich hierbei um die Störquelle handelte.
Dann ging plötzlich alles sehr schnell. Aufgeregte Schreie waren zu vernehmen und die ersten Leute
stürmten wieder heraus. Aus dem Stimmgewirr war kaum zu vernehmen was geschehen war... Ein
riesen durcheinander und einer nach dem Anderen floh aus der Gruft.
Gajendra erinnerte sich an die Gruselgeschichten, die sie
als Kind ueber die Keller des Klosters gehört hatte. Als
Erwachsene hatte sie diesen Humbug längst beiseite
geschoben. Doch als sie nun die entsetzten Gesichter von
den Leuten sah, zog sie sich unwillkürlich einige Schritte
mehr vom Zugang zu jenem Gewölbe zurück.
Es ging alles furchtbar schnell. Die Meisten waren kaum ansprechbar und einige schienen auch
schwer verletzt worden zu sein.
Aus den paar Wortfetzen war zu vernehmen, daß man in einem Vorraum zur Hauptgrabkammer die
Borgtechnologie gefunden hatte. Horge war hingegen wohl in die innere Gruft gestürmt und hatte
sich auf die Mumie Dshay Holuts geworfen.Das wiederrum führte dazu, daß irgendwelche Statuen
in jener Grabkammer zum „Leben“ erwachten; Horge töteten und das Aussenteam ebenfalls
angriffen... Dessöfteren hörte sie das Wort `Draugar`, wusste damit aber nichts anzufangen.
Bei dem herrschenden Durcheinander, nachdem alle Verletzten aus der Gruft gezogen worden
waren und die Crew der HIGHLANDER sich zur Abreise bereit machte, steckte Gajendra
unbemerkt dem etwas neben sich stehendem Terrix Quan-Chi einen Brief an Captain Norad zu.
Die Gruft wurde provisorisch versiegelt und von Jedis des Klosters bewacht, während die Crew der
HIGHLANDER sich wieder auf den Weg zurück machte, um die Verletzten zu versorgen.
Die Borgtechnologie wurde dann von der HIGHLANDER aus unschädlich gemacht und die
Störquelle damit beseitigt.
***
Gajendra war wohl kurz über ihrem Bericht eingeschlafen. Nachdenklich nahm sie nun ihr Glas
Wasser zur Hand und überflog nochmal die letzten Zeilen, aber irgendwie waren Ihre Gedanken
nicht so recht bei der Sache. DajaRun ging davon aus, dass es Horge war, der Gajendra beeinflusst
hatte. Anscheinend wollte er sie unschädlich machen und verhindern, daß sie im Kloster
herumschnüffelte. Was immer er auch im Grab DshayHoluts gesucht hatte... Man würde es wohl
nicht mehr erfahren...
Sie dachte an die beiden Jedischüler, deren Tod so Sinnlos war... Nur weil Gajendra jemandem im
Weg war... Zu viele fanden in letzter Zeit wegen ihr den Tod. Erst ihre Schwester... und nun auch
die beiden Jedis. Alle waren nur zur falschen Zeit am falschen Ort...
Gajendra merkte garnicht, daß sie vor innerlicher Wut das Glas in Ihrer Hand zerdrückt hatte und
nun die Scherben fest umklammert hielt, bis sich der Schmerz in Ihr Bewusstsein bohrte...
Mit einem leisen Fluch ließ sie die Scherben fallen und besah sich die Wunde. Sie würde
wohl den Medicus wecken müssen um sich die Splitter herausziehen lassen und gegebenenfalls zu
nähen...
Ihre Hand in ein paar Tücher fest eingewickelt verließ sie ihre Zelle und trat auf den Gang hinaus,
als sie mitten im Schritt stockte...
Es war ruhig und still im Kloster. Zu ruhig... Das vertraute Schnarchen das sonst durch die Gänge
hallte war nicht zu vernehmen. Gajendra ermahnte sich zur Ruhe. Wahrscheinlich war der Urheber
der Schnarchlaute eingeteilt worden, um an der Gruft zu Wachen.
Seit das Aussenteam der HIGHLANDER abgereist war, standen immer mindestens zwei Jedis an
der Gruft Wache.
Gajendra ging den Flur hinunter in Richtung der Zelle des Medicus, doch wieder stockte sie mitten
im Schritt. Sie hörte auch kein Nagetier, von denen um diese Uhrzeit eigentlich ständig leises
getrappel und scharren zu vernehmen war. Und was noch viel seltsamer war...
Sie hörte ihre eigenen Schritte nicht... Nur der Wind pfeifte leise durch die alten Klostermauern.
Fast wie von alleine sank ihre rechte, in Tüchern verhüllte Hand zu Ihrem Oberschenkel, wo sie
sonst ihre Zweitwaffe unter dem hoch geschlitzten Beinkleid vor zufälligen Blicken verborgen
hatte.
Doch diesmal hatte sie beide ihrer Waffen bereitwillig abgegeben. Daja Run hatte sie mit einer
Mischung aus Erstaunen und strafendem Blick angesehen, als er die zweite Waffe sah. Dann aber
nickte er ihr mit einem anerkennendem Lächeln zu und ließ die Waffen wegsperren.
Gajendra drehte sich beunruhigt um und sah den Weg hinunter, den sie eben gekommen war.
Irgendwie kam ihr der Gang auf einmal länger und düsterer vor, als noch vor wenigen Minuten. Ihre
Kehle wurde trocken und es fröstelte sie.
Ruckartig wandte sie sich wieder ihrem eigentlichen Zielort zu und hätte schwören können, fast im
selben Augenblick einen Schatten vorbeihuschen zu sehen. Nervös wurden ihre Schritte immer
schneller, bis es aussah, als ob sie vor etwas fliehen würde. Als sie um die nächste Biegung herum
war blieb sie stehen und atmete tief durch. Wovor lief sie eigentlich weg? Für einen Moment
schloss sie die Augen und konzentrierte sich darauf wieder klar zu denken.
Sie lauschte der Stille und Ihrem klopfenden Herzen, bis es sich endlich wieder einigermaßen
beruhigt hatte. Leise seufzend und sich selbst belächelnd öffnete sie wieder die Augen.
Ein erstickter Aufschrei kam über Ihre Lippen, als die schwarze gesichtslose Gestalt mit einer zur
Klaue gekrümmten Hand mitten durch sie hindurch griff und Ihr Herz zusammenzudrueckte...
Das Letze was sie sah, war ihr eigenes Gesicht unter der Kapuze, das sie kalt anlächelte!
Ein zucken ging durch Gajendras Körper; Glas splitterte und ihr Herz raste, als würde es gleich
zerspringen.
Es dauerte eine Weile, bis sie Begriff, dass sie eingeschlafen war... Sie saß noch immer an Ihrem
Tisch. Der Bericht, den sie angefangen hatte, lag vor Ihr und das Wasser, das sie umgekippt hatte,
als sie sich vor Schreck ruckartig aufgerichet hatte, ließ die Tinte auf dem Schreiben langsam
verschmieren.
Gajendra atmete ein paarmal tief durch, bevor sie sich daran machte das Wasser aufzuwischen...
Sie sollte langsam gewohnt sein von Alpträumen heimgesucht zu werden... aber sonst war es immer
der selbe Traum. Immer die letzten Minuten als ihre Schwester tot neben ihr zusammenbrach und
dem blenden grellen und glühend heissem Licht, das eigentlich auch ihr Leben hätte kosten sollen...
Aber diesmal war es anders. Und irgendwie hatte Gajendra nicht das Gefühl, daß es nur ein Traum
war...
Missmutig sah sie sich das Disaster an, welches das umgeschüttete Wasser aus ihrem Bericht
gemacht hatte. Mit einem sprachgesteuerten Computer wäre das nicht passiert, fluchte sie innerlich.
Aber soetwas gab es in dem Kloster nicht.
Vorsichtig hob sie die Scherben vom Boden auf um sie in den Papierkorb zu werfen. Anschließend
nahm sie ihren unbrauchbaren Bericht und wollte ihm selbiges Schicksal zukommen lassen, als sie
verwundert feststellte, dass Blut auf den Scherben war. Erst jetzt bemerkte sie, daß sie sich wohl
trotz aller Vorsicht an einer Scherbe geschnitten hatte.
Mit einemmal, war ihr nicht Wohl bei dem Gedanken, die Wunde vom Medicus ansehen zu lassen...
Wie in Zeitlupe drehte sie sich zur Tür um einen Schritt auf den Gang zu wagen.
Aber alles war wie sonst... Das leise fiepen einer aufgeschrockenen Maus, welche den Weg
hinunter huschte, bis sie eine Lücke im Mauerwerk fand, um darin zu verschwinden; das monotone
Schnarchen, welches jede Nacht durch die Gänge hallte; das Heulen des Windes und knarzen alter
Holzbalken.
Dennoch schlug Gajendra nicht den Weg zum Medicus ein. Stattdessen beschloß sie zur Gruft zu
gehen und nachzusehen ob die eingeteilte Wache auch nicht eingeschlafen war...
Ende

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